Deutschland den Deutschen

steht in der Unterführung meiner Heimatstadt. Ich frage mich, wie sich die Ausländer fühlen, die tagein, tagaus daran vorbei gehen.
Fühlen sie sich bedroht?
Resigniert, traurig, weil es keinen zu geben scheint, der sich daran stört? Die Polizei informiert und so lange Druck macht, bis es entfernt wird.
Keiner scheint sich zuständig zu fühlen. Die Gefahr ist heute wie damals weniger die rechte Gewalt inform von Angriffen, als die Passivität der anderen Bürger.
Damals begann es nicht damit, dass Nazis in Schulen und Büros gingen und beliebte Juden abtransportierten. Hätten sie das getan, wäre es niemals zu den Massenmorden gekommen.
Es wurde nur deshalb möglich, weil die Leute wegsahen. Weil die Nazis Zeit hatten. Sie gingen raffiniert vor, sorgten dafür, dass die anderen Bürger von Juden getrennt wurden, nach und nach zu Fremden wurden, die keiner mehr kannte, über die gemunkelt wurde.
Unbekanntes macht Angst.
Wer immer nur sieht, dass andere Panik vor Spinnen haben, ist viel anfälliger, ebenfalls eine Phobie zu entwickeln. Der Stand von Ausländern, Juden und Schwulen war ähnlich, oder eher noch tiefer – Spinnen sind ja Nutztiere.

„Ich hatte das Gefühl, ich bin gar nichts Besonderes, ich wär halt einfach so da“ sagte eine Magersüchtige mal in einer Doku.
Durch das Hungern wurde sie besonders. Das kann ich auf jeden Fall nachvollziehen, aber es ist traurig. „Ich würde eh keinem fehlen, wenn ich nicht mehr da wäre“ sagen wieder Andere.
Und das halte ich für wirklich absolut unmöglich!
Ich hatte diese Gedanken früher selbst, bin aber zum Glück lange davon weg. :)
Einerseits durch meinen Idealismus. Durch den ersten Absatz. Es kommt auf jeden an, im Kampf gegen Rassismus. Und das ist nur eins von x Beispielen.
Ich habe mal in einem Studentenwohnheim gelebt, mit „nur“ 59 anderen. Das ist wenig, ja, aber man kennt dennoch kaum jemanden.
Mir fiel auf, dass es mir nahe gehen würde, wenn sich jemand das Leben nehmen würde, oder „nur“ sehr unglücklich wäre.
Ich würde es wissen wollen, helfen wollen. Und damit bin ich nicht die Einzige.
„Für die ganze Welt bedeutest Du nichts, aber für manche bedeutest Du die ganze Welt“

ICH bin diejenige, die anruft und so etwas meldet. Und das gibt mir einen Teil des Selbstbewusstseins.
Es ist gut, dass ich da bin. Dieses Gefühl wünsche ich euch auch.

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