Die Sache mit dem Überblick

Seit gestern schreibe ich mir ALLE Namen auf, die da sind. Dann kreuze ich Wartezimmer, Labor, EKG Raum, Arztzimmer 1 und 2 an. Wenn sie gehen, streiche ich sie durch.
Grund: Ich kann den Überblick nicht behalten.
Null.
Wenn ich einen Patienten annehme, und zwei neue kommen, habe ich den ersten wieder vergessen.
Ulli (die Anleiterin) glaubt nicht, dass ich das in den Griff bekommen kann, aber bekannterweise macht Not erfinderisch.
Unsere Pat sind fast alle über 60 – Landarztpraxis halt.
Die sehen alle gleich aus, mit ihren grauen Haaren Ich schreibe noch Merkmale dazu.
Jung, gestreiftes Hemd oder so.
Hab zum Glück viel Phantasie. Wenn wir zum Beispiel eine Frau Meiser haben, stell ich mir den Vogel im Maisfeld vor. Oder ich werde anfangen, zu kategoriersieren.
Jung, Krücken, Brille, sowas.
Blöd darf man sein, man muss sich bloß zu helfen wissen, gell 😉 Ulli ist natürlich nicht überzeugt, aber egal. Sie sagt, sie glaubt, dass mir Vorraussetzungen für den Job fehlen, die man nicht lernen kann. Und sie meint, alle Azubis konnten das bisher schnell überblicken. Ich frag sie mal, wie viele Pat. schätzungsweise seit September durch gelaufen sind. Wenn der Chef abbrechen sollte, bin ich in ner ziemlich miesen Lage – selbst aus dem vorherigen Betrieb gegangen und nun am 2. schewitern.
Nun schaue ich still, leise und heimlich nach anderen Praxen. Es gibt sogar ein paar, die Azubis suchen.

Die Probezeit geht bis Ende Dezember. Ich glaube, sie wollen einen Azubi, der später den Laden auch allein schmeißen kann. Ulli ist schon über 60, von daher könnte ich mir schon vorstellen, dass die auch in diese Richtung denken.
Sie hat gefühlsmäßig 100 Überstunden im Monat…
Das möchte ich nicht. Vielleicht zweifeln die Ärzte deswegen so sehr, ob ich die Lehre da machen kann.

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4 Responses to Die Sache mit dem Überblick

  1. catharsya sagt:

    Man muss sich nur zu helfen wissen 🙂 Gute Ideen hast du da. Und versuch, dir keinen Kopf zu machen, vllt wollen sie dich nur verunsichern und sehen, wie du damit umgehst. Aber es schadet ja nicht, wenn du dich weiter umschaust! Viel Glück weiterhin!

    • stellinchen sagt:

      Huhu 🙂

      ja, wenn die Panik weg ist, bin ich eigetlich ganz kreativ, was „Lösungen“/Krücken angeht ^^
      Aufgefallen ist mir das, weil ich Anderen immer sooo gut raten konnte, nur mir nicht. Weil bei mir die Emotionen so viel Raum einnehmen, dass ich nicht mehr gut denken kann.

      Die Idee mit dem verunsichern kam mir auch.
      Das Gespräch war am Montag, und ich ging als komplettes Nervenbündel (unbemerkt von denen). Aber der Chef kam mir überrascht vor, als ich am Di so war, wie immer – freunlich, offen, ruhig.
      Klar – kann Einbildung sein, aber kam mir echt so vor 🙂

  2. minuq sagt:

    Meiner Erfahrung nach kann sich niemand so schnell so viele Namen merken. Ich bin in einem etwas anderen Bereich der Medizin unterwegs, der Krankenpflege, und bei uns konnte sich keiner der Azubis sofort alle Namen der Patienten auf Station merken. Nach 1-2 Tagen kommt das so langsam, weil man auch sehr viel Kontakt zu den Patienten hat. Aus meiner Zeit in der Ambulanz kenne ich so gut wie keinen mehr und hatte die meisten nach einer halben Stunde schon wieder vergessen, weil es einfach so viele Patienten waren in so kurzer Zeit – lass dich nicht von dummen Sprüchen verunsichern und stell vor allem selbst keine Erwartungen an dich, die irreal sind.

    • stellinchen sagt:

      Hallo 🙂

      vielen Dank für Deinen Kommentar!
      Das sagen mir alle. Erleichtert ziemlich 😉
      Meine Eltern arbeiten im OP Bereich und die sagen exakt das Selbe wie Du und die Anderen, die ich gefragt habe.
      Meine Mutter meinte noch, ich sollte das mit dem Aussehen abkürzen, „wenn den Zettel jmd sieht, wirkt das sonst doch vllt etwas primitiv“ 😉
      Das mit den Erwartungen ist so eine Sache, aber ich denke, in dem Bereich sind sie vernünftig 🙂

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