Barrieren

„Excusez-ich han ä frog.“
Ulli sieht aus, als würde es kräftig im Kopf arbeiten.
„Ja?“ frage ich. Während der Patient sein Anliegen vorbringt, wendet sie sich ab.
Dieser ältere Herr benutzt keine 3 Sprachen, um sich für einen Frosch zu entschuldigen – Nein, er kommt aus meinem Geburtsland – der Schweiz.
Da hat es Ulli aus Thüringen nicht leicht.

Ihr Umgang mir gegenüber ist nach wie vor bissig, geduldig, freundlich, sarkastisch und zur Verzweiflung treibend.
„WAS will er!?“ fragt sie mich, als er wieder im Warteraum Platz genommen hat.

Barrieren.
In diesem Fall Sprachbarrieren.

Gegen abend kommt Tina vorbei.
Die „Bei Tina hat das alles immer schneller/besser geklappt“ Tina.
Sie ist 22 und Ulli umarmt sie freudig.
Das also ist Tina.
Eine bildhübsche, anmutige junge Frau mit Ehering, die mit 16 Jahren in der Praxis ausgebildet wurde.
Ich fühle mich seltsam leer und unendlich traurig.
Die große, bodenlose Traurigkeit. Ich wäre gern wie sie. Ich wäre gern, wie Ulli mich gern hätte.
Meine Andersartigkeit lässt mich fühlen, wie abbgezäunt, eingesperrt, ummauert.
Auch Natalie kommt noch als Patientin. Sie war auch eine Kollegin.
Jedem Patienten und jeder Ex Mitarbeiterin verhält sie sich so offen, freundlich und humorvoll.
Bei mir…

Mir fällt auf, dass es mir einfach keinen Spaß macht.
Ich gehe nicht gern zur Arbeit und muss mich beherrschen, nicht ständig auf die Uhr zu sehen…

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2 Responses to Barrieren

  1. Broken Girl sagt:

    Meinst du der Beruf ist wirklich der Richtige für dich, wenn du so viele Probleme hast? Tolle schulische Noten hin oder her. Du bist jetzt schon in deiner zweiten Praxisstelle und es klappt wieder nicht besonders…Wie soll das denn weitergehen? Wie stellst du dir das vor? Hast du vielleicht noch andere Zukunftspläne/ Berufswünsche?

    • stellinchen sagt:

      Naja, die zwischen-menschlichen Probleme sind ja i.d.R. der Grund für die Probleme. Von daher, ja, ich möchte diesen Job erstmal lernen.
      Im letzten Betrieb habe ich die Probezeit ja auch geschafft, und wäre ich nicht wieder so abgerutscht, wäre ich da immernoch.
      Alternativen habe ich nicht, nein. Aber irgendwie gehts immer weiter.

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