intensiv (er) leben

So „erschreckend“ es auf ne Art auch ist – die Ambulanz war zeitweise ein Familienersatz.
Keiner kam mir körperlich so nah, ohne mich zu verletzen.
Nahe Angehörige haben mich früher verletzt. Jetzt war ich es, und stellvertretend haben sie mich versorgt.
Diese Übertragungsmechanismen haben geklappt. Stellvertretend, aber ich fühle mich innerlich „geheilter“ als vor dem Winter.
Und .. es geht in die Richtung „Das war es mir wert“, wenn ich jetzt derartig zerschundene Beine habe, auch wenn mir bewusst ist, was ich da schreibe.
Was die gemacht haben?
Eine hat mich regelmäßig „angepampt“, dass das kein Zustand ist und ich ne Therapie machen soll.
Übertragungsmodus: Das ging nicht an die Adresse derjenigen, die zum Nähen kam, sondern an die Adresse der Verwandten, die mir früher weh getan haben.
Ergebnis: Der verletzte Anteil von früher wird geschützt.

Was noch?
Zuwendung, obwohl ich Arbeit bedeute!
Schutz. Ich hatte mal komplette Angst vor einem Pfleger und hab das der Chirurgin gesagt.
Sie hat dem Pfleger gesagt, sie würde mich alleine versorgen. Obwohl das mit Sicherheit länger gedauert hat.
Und nur, weil ich so große Angst vor dem hatte. Diesen „Respekt“ kenne ich nicht.
Ein „Tja, das hätten Sie sich vorher überlegen müssen, stellen Sie sich nicht so an“ hätte ich erwartet und es selbst auch so gesehen, jedenfalls, wenn es um mich geht.

Im Forum fanden einige das unmöglich. Unprofessionelles Verhalten, die Nähe-Distanzgrenze zwischen Arzt-[psychisch krankem!!!] Patient wurde nicht gewahrt, viele persönliche Dinge. Ich glaube, ich weiß von manchen Ärzten mehr, als die Kollegen.
Konditionierung „Sie verletzt sich, weil man da nett zu ihr ist“
Persönliche Anteilnahme.
Nachdem ich gesagt habe, ich war 7 Monate clean. „Du hast so lange durchgehalten“
Oder der Chirurg „Ich mein, du gehst gern schwimmen und ich weiß ja, dass dich die Narben stören“

Sonst noch Hand halten, umarmen…
Ich hatte das Gefühl, gemocht zu werden. Man kann schon sagen, dass es zu weit ging, aber mir hat es geholfen.
Mir wurde von denen vorgelebt, wie ich leben möchte. Nicht als schutzbedürftige Dauerpatientin.
Ich möchte solche Kollegen, Freunde. Ich möchte diesen Job. Das wusste ich auch schon vorher, aber das hat es nochmal gefestigt.
Ich hänge so sehr am Leben, führe seit ich denken kann ein unheimlich intensives Leben. Unheimlich intensive Krisen, aber auch unheimlich intensive Glücksmomente, die nach heutigem Stand weit überwiegen.
Ich durfte Ärzte erleben, die so menschlich sind. Keine Halbgötter in weiß.
Die mir vermittelt haben, dass ich das auch schaffen kann.
Dafür bin ich dankbar, für diese schönen und wertvollen zwischenmenschlichen Kontakte.
Bild

Einmal die Woche haben wir 4 Stunden Deutsch am Stück.
Das mag ich gar nicht, weil ich es von der Konzentration her sehr schwierig finde.
4 Stunden am Tag wären für mich besser, wenn nach 2 Stunden Mathe wäre, von der Konzentration her.
Inhaltsangabe und Grammatik.
Grammatik – dass, das, denn, den – das kann ich im Schlaf.
Dann noch s, ss und ß, bzw. n und nn.
Doch wen ich dass zu lange und konzentriert machen muß, paßieren mir irgendwann nur noch Fehler, die ich üblicherweisse nie machen würde ;)
Nächste Woche haben wir noch einmal und die Woche drauf ist dann die Arbeit. Ab nächster Woche beginnt die Klausurenphase :)

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4 Responses to intensiv (er) leben

  1. silberträumerin sagt:

    mir kommt das so bekannt vor, was du über die chirurgie schreibst. ich habe auch oft das gefühl, dass die seele ein bisschen geheilt wird, wenn ich dort versorgt wurde. und irgendwie – ist es okay. das schneiden ist ein hoher preis, aber ich zahle ihn, wenn die seele dadurch heiler gemacht wird.

    • stellinchen sagt:

      Das habe ich bei dir auch oft gemeint rauszulesen..
      *flausch*

      • silberträumerin sagt:

        *nick* das ist das, was viele nicht verstehen. das ist einfach nicht das borderline-typische svv. kein schneiden, um anspannung abzubauen etc. einfach nur svv als mittel zum zweck – ich will in der chirurgie versorgt werden, also muss ich mir eben eine verletzung zufügen. es fühlt sich nicht entlastend an und manchmal muss ich mich regelrecht zum schneiden zwingen, aber es „muss“ eben sein, weil ich anders die versorgung von den chrirugen nicht bekomme.

    • stellinchen sagt:

      ja, dito.
      Wichtig ist, was wir aus dieser Erkenntnis ziehen.
      Es dient schon auch auf ne Art dem Spannugsabbau, im erweiterten Sinne.
      Ich glaub, wenn du wüsstest, du hättest keine Möglichkeit einer guten Wundversorgung, hättest du auch den Suchtdruck wie ich.
      Es erFÜLLT eben viele Baustellen: Nähe, Vertrauen, Bezugspersonen, Umsorgt werden auf der einen Seite.
      Aber auch der Druckabbau. Weißt, jetzt, wo ich abstinent lebe ( 😉 ) fallen mir sooo viele Situationen auf, in denen ich mich früher verletzt hätte und das ohne dem Zweck der Versorgung an erster Stelle.
      Nur.. ich will selber mal Ärztin werden. Ich möchte so eine tolle, engagierte Kollegin sein.
      Ich möchte anderen beim heilen helfen. Und ich möchte eine Familie.
      All das schaffe ich nur ohne die Symptomatik. Ich habe es den ganzen Januar über zugelassen, weil ich wusste, ab Februar ist Schluss.
      Das hat mir kaum einer glauben können, aber ich kenne mich und darum habe ich es auch ausgereizt bis Ultimo.
      Das wünsche ich mir für Dich. Dass du sagen kannst Okay, im Moment brauche ich es, möchte ich nichts anderes.
      Aber setze dir ein Ziel, selbst, wenn es in 1 Jahr ist.
      Ich weiß nicht.. Mir ist klar, dass mich die Krankheit auf Dauer umbringt. Bei Sabira ist das nicht unbedingt so. Aber ich verliere immer unheimlich viel Blut. Dieser „Lifestyle“ bringt mich um, wenn ich es nicht schaffe.
      Dann werde ich keine 30.
      Ist das bei dir anders? Wir mussten so viel erleiden, haben so gekämpft. Du hast Abi, bist am Studieren. Ich bin am Abi dran. Das wäre doch katastrophal, wenn wir einfach sterben und alles umsonst war. Dass das Leben sooo schön ist, spüre ich ja auch häufig.
      Hmm..
      Ich möchte dich jedenfalls nicht verlieren. Schon nur durch das Bloggen und mailen bist du mir nah.
      Pass auf dich auf und fühl dich umarmt.

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