Eigenverantwortung

Grad eben hatte ich so einen Redeflash bei meinem Dad.
Ich meinte, ich würd das Schneiden arg vermissen, zum Teil.
„Wie das!? Ich dachte, dir würds hier so gut gehen?“
Ich meinte, Ja, aber der Suchtdruck bleibt trotzdem und mit dem werd ich ja wohl noch ein paar Jahr(zehnt-)e? das Vergnügen haben.
Miss Stellinchen Pawlow – gestatten.

Was mir so gut tut, ist das Gefühl, die Verantwortung für mich zu haben.
Ich erzählte von der Klinik letztes Jahr.
Da gab es Bücher, die im Stationszimmer standen über Borderline uÄ und wir durften sie NICHT lesen. Ich habe gefragt, warum.
Der Oberarzt habe das so festgelegt, hieß es. Weil es manche Patienten triggern würde.
Aha, dachte ich.
Ich empfand es als Bevormundung. Depressive durften Bücher über Zwänge lesen, aber Borderliner nichts über ihre Sachen und Traumageschichten.
Ich sagte, ich würde das in der nächsten OA Visite anzusprechen. „Das bringt nichts“ meinten die Mitpatienten. Der Älteste war Ende 40 und beschwerte sich grundsätzlich darüber, nicht ernst genommen zu werden/bevormundet/wie ein kleines Kind behandelt zu werden.
„Das passiert mir nicht“ dachte ich.
In der nächsten Visite hielt ich dem einen Vortrag, dass ich freiwillig gekommen bin, und es gewohnt bin, eigenverantwortlich zu handeln.
Dass ich genau weiß, was mich triggert und was nicht und dass DBT doch auch darauf basiere, die Patienten aus fundierten Quellen über ihre Krankheit zu informieren.
Wo, wenn nicht in den Büchern einer Klinik, wäre der Rahmen dafür?
Der OA grinste mich an – laut Mitpatienten eine absolute Seltenheit – sagte „Alles klar, Frau K.“ und die Sache war gegessen.
Jedenfalls vorerst. Hinterher hieß es, das gälte als Stationsgesetz, und sogar der OA hätte da kein Mitspracherecht.
Trotzdem war das Gefühl klasse!
Mit der Klärung meines hb’s war es das Selbe. Ich spürte, wie ich zunehmend fühlte, und ich das nicht aushielt.
Mit dem hb verhält es sich wie mit Untergewicht: Der Körper spart, wo er kann, energieverschwender wie Gefühle verkümmern. Mit einem hb von 6 fühlt man deutlich weniger intensiv – eher wie in Watte gepackt.
Man empfindet eher abgestumpft-sein – „alles scheiße“ ohne dem Impuls, sich etwas anzutun.
Aber auch die Freude nimmt ab, einfach alle extrem „anstrengenden“ Gefühle.
Die kamen nun wieder und zwar nicht so unauffällig, wie sie sich ausgeschlichen hatten sondern sie traten mir die Tür ein KNALL, da sind wir wieder und ich drehte vor Anspannung am Rad. Vor dem Aufenthalt dachte ich, ich könnte mit Gefühlen umgehen und sie zuordnen – doch diese Intensität übertraf alles erträgliche!
Ich wollte den hb wissen, um abschätzen zu können, wie schlimm es noch werden würde.
„Der ist normal“ hieß es.
Das reichte mir nicht – wofür sollte ich dann noch Eisentabletten schlucken!?
Ich hielt dem OA wieder einen Vortrag und er meinte, er würde befürchten, ich bekäme „Handlungsimpulse“, den wieder zu senken, wenn ich die genaue Zahl wüsste.
Klar, hat er mir natürlich nicht einfach so sagen können. Ich meinte, ich wäre keine Schizophrene oder Psychotikerin, ich wäre durchaus in der Lage, mich klar auszudrücken – und was das denn bitte für ein Konzept wäre, die Patienten in der Klinik für so Unmündig zu halten, dass man ihnen nicht zutrauen würde, klar zu sagen, was gefährlich werden könnte und was nicht?

Kurz – ich bekam die Zahl.
12
Die Tabletten sollte ich noch weiter schlucken, um die Eisenspeicher aufzufüllen.
Danach wurde es leichter, die Gefühle auszuhalten.
Ich dachte „Okay, Stella – das ist LEBEN – so fühlt es sich an, und die anderen Menschen kommen damit klar – also halt dich ran!“

Im Januar diesen Jahres wurde ich wieder eingewiesen.
„Je besser Sie diese Symptomatik im Griff haben, desto seltener werden andere Leute die Verantwortung für Sie übernehmen müssen“ sagte der chirurgische OA schlicht zu mir.
Ich beschwerte mich zwar, aber als die Sache fest stand, machte ich mit.
Ich sagte, ich könnte sie ja verstehen und täte an ihrer Stelle das selbe…

Mir GEFÄLLT mein lovely Ticker von Tag zu Tag besser… 😉

Tja, ich wünsche euch einen super Start in die neue Woche und vielen Dank, dass es euch gibt!!!

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4 Responses to Eigenverantwortung

  1. DecemberKid sagt:

    Seit wann achtest du auf deinen hb? Hab ich was verpasst? Mein Wert ist immer bei 12

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