Wie Kinder aufwachsen

Ich habe heute den Tag mehr oder weniger vergammelt.
Dabei bin ich auf zwei Dokus gestoßen, in denen die „heile Kinderwelt“ nicht gegensätzlicher sein könnte.


Jakob ist zwölf Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Charlotte in einer riesigen Wohngemeinschaft. In der „Landkommune Niederkaufungen“ wohnen 80 Menschen – vom Baby bis zum Senioren ist alles dabei. In seiner Kommune gibt es keine Hierarchien. Alles wird in Gemeinschaft entschiedeAuch Auch beim Geld heißt es: alles gehört allen.Jakob ist zwölf Jahre alt und lebt mit seinen Eltern und seiner Schwester Charlotte in einer riesigen Wohngemeinschaft. In der „Landkommune Niederkaufungen“ wohnen 80 Menschen – vom Baby bis zum Senioren ist alles dabei. In seiner Kommune gibt es keine Hierarchien. Alles wird in Gemeinschaft entschieden.
Auch Auch beim Geld heißt es: alles gehört allen.

Die zweite Doku handelt von Kindern, die in Sekten aufwachsen müssen.

Ist es in Ordnung, wenn Eltern ihre Kinder nachts um vier zur Meditation wecken, auch wenn sie später in der Schule vor Müdigkeit einschlafen? Darf es sein, dass Kinder keinen Kontakt zu Gleichaltrigen haben, auch wenn sie sich nach Freunden sehnen? Dass sie in absoluter Armut leben müssen, weil die Eltern sich vom Materialismus lösen wollen?

Bei der neuen Gruppe der „Weltdiener“ herrscht die Ansicht, Kinder seien „erwachsene Seelen“ in Kinderkörpern und bräuchten keine besondere Rücksicht. Deshalb ist es für die Sekte selbstverständlich, dass Kinder auf Spiel, Spaß und Süßigkeiten verzichten müssen, um ihre „Seele voranzubringen.“

Die Kinder haben keine Krankenversicherung, Arztbesuche sind tabu. Denn zum einen vertritt der Guru die These, Ärzte könnten die jahrelange Seelenarbeit zunichte machen. Zum anderen glauben er und seine Jünger, Krankheiten seien lediglich eine Form der „Reinigung“.

Eine Großmutter streitet vor Gericht gegen ihren Sohn und die Schwiegertochter, weil sie Angst vor den Folgen der „göttlichen Erziehung“ in der Gruppe hat. Bisher konnte sie kaum etwas für ihre Enkelkinder erreichen und wirft den Behörden Untätigkeit vor. Für diese aber steht offenbar der Elternwille im Vordergrund.
Dabei hat es auch schon lebensgefährliche Situationen für Kinder gegeben, die früher bei den „Weltdienern“ leben mussten. Kilian war 12 Jahre, als er mit seinen Geschwistern in die Gruppe gebracht wurde. Er leidet an einer chronischen Krankheit und bekam, gemäß den Thesen des Gurus, keine Medikamente. Die Folge: Seine Lunge blähte sich auf, er magerte stark ab, war bei seiner Flucht aus der Sekte dem Hungertod nahe. Sein ehemaliger Lehrer macht sich jetzt Vorwürfe, nicht entschiedener protestiert zu haben.

Ganz anders äußert sich das zuständige Jugendamt. Zu keinem Zeitpunkt habe es eine „Rechtfertigung für eingreifende Maßnahmen gegeben.“

MENSCHEN-HAUTNAH Autorin Beate Greindl hat beeindruckende Szenen aus dem Leben der Sekte eingefangen. Es ist ihr gelungen, dem Guru und den überzeugten Eltern Aussagen über bisher wohl gehütete Ansichten zu entlocken.

Nach Schätzungen gibt es in Deutschland etwa 200 000 Sektenkinder. Jugendämter tun sich schwer bei der Abwägung: Wann muss der Staat einschreiten, weil das Kindeswohl gefährdet ist?

Ich habe nichts gegen Kommunen – im Gegenteil. Es heißt „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen“
Ich finde diesen krassen Unterschied zwischen Jakob und Radha, mit ihrer roten Nase und den geschorenen Haaren besonders hart.

 

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3 Responses to Wie Kinder aufwachsen

  1. fanger sagt:

    Oh ja, die lieben Sekten. Wer wäre nicht gerne ein Guru und könnte eine horde Vollidioten ausbeuten die auf der Suche nach neuem halt in dieser bewegten Welt in seine Falle getappt sind.
    Der Guru hat nun deren Geld, ein Haus am Mittelmeer (der Name bekommt dann gleiche eine andere Bedeutung) und natürlich auch eine fette Jacht die ihm hilft, alleine auf dem Ozean, der ganzen matierellen Dinge abzuschwöhren. Wenn er nur erhört werden würde, und die Jacht sich dann in Luft auflösen würde….
    Eine Kommune ist ein Weg in die richtige Richtung. Nur müsste eben die ganze Welt eine einzige Kommune sein. Alle Menschen bekommen die gleiche Anerkennung für ihre Arbeit. Egal als was sie arbeiten.
    Ich selber erwische mich leider immer malwieder bei dem Gedanken mich darüber zu freuen das es Menschen gibt die für sehr wenig Geld arbeiten. Aber jeder Mensch der bereit ist für die Gemeinschaft zu arbeiten hat das gleiche recht die gleichen Dinge zu erhalten wie jeder andere.
    Dumm nur das die meißten Menschen eben nicht bereit sind für die Gemeinschaft zu arbeiten. Sie arbeiten zwar IN einer Gemeinschaft, aber nicht für sie. Am Ende des Tages schleppen sie das was ihnen aus ihrer Sicht zusteht weg um es anschließend ganz alleine zu verbraten in dem glauben das die Reinvestieung ihres Anteils ein genügender Beitrag für die Gemeinschaft ist. So sie es denn ausgeben. Die, die es sammeln verursachen den größten schaden.
    Das größte Problem beim Leben in der Gemeinschaft ist aber der ware Wille dazu. Ich kann nicht einen beliebigen Menschen nehmen und sagen, ab Heute bist du Teil einer Gemeinschaft. Das wird nichts. Auch wird es leider, sloange es noch Kapitalisten gibt, zu schaffen sein jeden in der Gemeinschaft zu halten. Und selbst wenn nicht mehr, wird es immer wieder Einzelne geben die das Muster durchschauen und es für ihre Zwecke, Faulheit, persönliche Bereicherung ausnutzen.
    Ich habe mich ausgiebig damit befasst und tue es auch weiter. Denn wenn wir es schaffen den Kapitalismuss hinter uns zu lassen werden Dinge die wir bisher als unmöglich, weil zu Teuer, einstufen plötzlich kostenlos verfügbar. Es bedarf dann nur noch Zeit um sie zu bauen. Natürlich muss die Gemeinschaft einen Nutzen in der Anschaffung erkennen.

  2. Texthase Online sagt:

    Herzlichen Dank für diesen gut geschriebenen Artikel! Es hört wohl nie auf, dass Menschen Angebern hinterher jagen, die auf großes Licht machen und nur ein Irrlicht sind, das blendet und unfrei macht. Doch das wirklich Schlimme ist, dass die Mitläufer andere Menschen, z. B. ihre Kinder mit in das Elend ziehen, oder dass sie diejenigen in Stich lassen, die sie brauchen!

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