Petunias Entscheidung

Petunia Dursley hatte eine unruhige Nacht gehabt.
Als sie aufwachte fühlte sie sich wie gerädert. Lily war in ihren Träumen aufgetaucht und wieder verschwunden. Petunia hatte versucht, zu ihr zu gelangen, doch es war ihr nicht gelungen.
Seit 10 Monaten hatten sie sich nicht mehr gesehen. Lily hatte sich für die Vase bedankt und ihr ein Bild von sich, ihrem Mann und ihrem Sohn geschickt.
Petunia gab sich alle Mühe, nur Lily zu sehen, doch es war ihr nicht gelungen. Der Mann, der ihr ihre Schwester genommen hatte, drängte sich in ihr Gesichtsfeld und ließ sie Wut und Ohnmacht spüren, so dass sie das Foto kurzer Hand zerrissen hatte.
Müde öffnete sie die Haustür und schrie auf: Ein Bündel lag zu ihren Füßen.
Eingewickelt in eine Decke und einen Brief auf der Brust. Petunia wusste nicht, wie ihr geschah. Sie war zu Boden gesunken und sah auf den kleinen Jungen hinab.
„Harry, ein hässlicher und gewöhnlicher Name, wenn du mich fragst.“ Sie hatte ihren Mann nicht gefragt, aus welchem Grund er das Thema angefangen hatte, doch erschien es ihr nun wie ein Omen. 10 Monate hatten sie das Thema ausgelassen und nun das.
„Petunia, Liebling, was ist passiert?“ Vernon stand neben ihr und Fassungslosigkeit breitete sich beim Anblick von Harry auf seinem Gesicht aus. Ohne dass sie es selbst richtig wahrnahm, nahm sie ihren Neffen auf den Arm. Er war wach und schaute sie interessiert an.
Mit zitternden Fingern löste sie den Brief und begann zu lesen.
Der Brief war in der selben schrägen Handschrift verfasst, wie jener, den sie vor so langer Zeit erhalten hatte.
Damals, als sie Albus Dumbledore gebeten hatte, mit ihrer Schwester auf Hogwarts zu dürfen.
Erneut kam eine Welle von Wut und Scham in ihr hoch. Er hatte freundlich erklärt, dass ihre Schwester die Fähigkeiten habe, die ihr leider nicht gegeben waren.
Sie würde in der Welt der Magier nicht glücklich werden.
Und zu allem Überfluss hatten Severus und ihre Schwester den Brief auch noch gelesen.
All dies kam ihr in den Sinn, als sie versuchte, den Inhalt des aktuellen Briefes zu erfassen.
Nur Bruchstückhaft schienen die Worte sich in ihrem Gehirn zusammenzufügen und Sinn zu ergeben.
Lily und James hatten den Angriff von Lord Voldemort nicht überlebt.
Lily .. tot.
Lily, ihre kleine Schwester, die sie über alles geliebt, die sie beneidet und gehasst hatte.
Tränen brannten in ihren Augen und sie wusste nicht, ob aus Trauer oder Wut.
Das Kind brauchte Schutz. Der alte Magier hatte eine Verbindung erschaffen. Sie sollte das Kind bei sich aufnehmen, ansonsten wäre es in tödlicher Gefahr.
Was ging es sie an?
Sollte es doch sterben, wie ihre Schwester gestorben war.
Ihr Gatte schnaubte. „Was bildet sich dieser Mann eigentlich ein? Uns ein Kind aufzuhalsen, das genauso abnormal ist!?
Wir bringen ihn ins Waisenhaus.“
Widerwille regte sich in Petunia. Weshalb musste sie diese Entscheidung treffen?
Warum musste ausgerechnet ihr das passieren?
War sie nicht genug gestraft gewesen mit dieser Familie, dieser Schwester?
Hatte sie nicht endlich auch ein bisschen Glück und Ruhe verdient?
Und doch..
Unwillkürlich fiel ihr Blick auf das Kind.
Es hatte ihre Augen. „Petunia?“
„Lass uns .. überlegen Vernon.“ Sie schaffte es nicht. Ihr Blick fiel auf das Fenster. Dudley buddelte friedlich im Sandkasten. Ihm war nichts aufgefallen.
Das Kind wurde unruhig. Wie von selbst ging sie zum Kühlschrank und begann, Brei anzurühren und es zu füttern.
Er heißt Harry, dachte sie.
Sein Name ist Harry und er die Augen seiner Mutter und meiner Schwester Lily.
Ihre Entscheidung war gefallen.

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2 Responses to Petunias Entscheidung

  1. Wieder super geschrieben und echt spannend. Bin begeistert! 🙂

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