Meine Seelen

8. Oktober 2013

Meine Güte – diese Achterbahnfahrt ist krass!
Mal wieder.
Seit dem Mittag schwebe ich mal wieder auf einer rosa Glückswolke, joa.
Haben Englisch geschrieben. War lustig :uglylaugh:
Obwohl die Tante mir derart auf den Senkel geht :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:
Verena ist ja super in Sprachen und wir sollten ein Blatt ausfüllen, Grammaaaaaaaaar. Wir waren schnell fertig und ich habs sie lesen lassen, obs richtig ist – Madame kommt auf mich zugeschossen und hält mir einen Vortrag, dass ich Verena nicht abschreiben lassen soll, weil Verena dann nichts lernt.
Ich meinte, wir wären beide fertig und vergleichen nur.
Ja trotzdem, Verena lernt nichts durchs abschreiben.
Ich Wir sind BEIDE FERTIG, außerdem ist Verena diejenige die es kann.
Aaaaaaaaach sooooooooo
:rolleyes: :meise:
Dann sollten wir eigentlich von 6 bis halb 8 schreiben, in einem großen Raum. Ich wusste aber, dass der die ersten 3 Stunden belegt ist und habs ihr auch gesagt, sie sagt, sie wartet, dann schreiben wir halt von halb 8 bis 9 im Raum.
Ich „DER IST BIS VIERTEL NACH 8 BELEGT!!!“
Was macht sie?
Sie macht 2 Stunden Unterricht mit uns und stellt dann – Oh Wunder – fest, dass ihr Superplan nicht hinhaut weil „die ja immer noch nicht fertig sind“
:rolleyes: :meise:
Ende: Wir schreiben 2 Stunden im Klassenzimmer und ich verpass den Zug.

Dann sollten wir 100 Wörter zum Thema schreiben, warum Gott den Leuten, die den Turm von Babel bauen wollten, die Kommunikation versaut hat.
Ich, als komplett christlich Gebildete, kannte die Story natürlich (wenn nicht wärste ja auch wieder gearscht) und hab da etwa 50 Wörter zu Papier gebracht über Gott, der von der Distanzlosigkeit angepisst war und kein Bock auf Menschen im Himmel hatte.
Toll, fehlten 50.
Ich bin komplett in die Gotteslästerung verfallen und meinte, ich wüsste jetzt endlich, warum keiner Gott beschreiben und malen darf – Gott ist nämlich eine Frau, und hat Komplexe wegen ihren Falten.
Darum hatte sie auch kein Bock darauf, dass die Babiloner sie sehen.
110 Wörter. Amen.
Und wenn die Alte so christlich ist, wie ich vermute, bin ich spätestens jetzt komplett unten durch bei ihr.
In dem Sinne – Amen :rel: :angel:

Sonst ist mein Göttervater wieder da :head:
Er: „Stella, ich hab ja jetzt 3 Wochen Urlaub, das heißt ich werd jetzt hier faullenzen und du musst alles machen“
:uglylaugh: :uglylaugh: :uglylaugh: :uglylaugh: :uglylaugh: :uglylaugh:

Dann hatte ich heute Morgen Thera, und ich liebe sie :)
Ich hab ihr von meinem katastrophalen WE erzählt. Und sie hat mich sooo gelobt, dass ich nichts gemacht habe, das tat so gut :herz:

Am Freitag ist Papa ja gegangen und ich stand den ganzen Tag neben mir und bin ihm so abartig auf die Nerven gegangen.
Weil ich so voller Not war, mich nicht gespürt habe, einfach null Kontrolle über mich.
Als dann der Gedanke aufkam „Du darfst nicht gehen, sonst bring ich mich um“ passierte ein switch.
Der lässt sich so übertragen: Ich dachte, Stella jetzt reichts! Hab diesem Anteil eins aufs Maul gegeben, gefesselt, geknebelt und eingesperrt, und mich dann ruhig und sachlich, angemessen verabschiedet.
Dann kam die zu erwartende Explosion.
Früher habe ich diese Anteile auch immer mit brachialer Gewalt unterdrückt, das konnte man sehen, die Schnitte, aber heute fand es innerlich statt und es zerreißt mehr, als die äußere Gewaltanwendung.
Es ist schmerzhafter.. Wohl auch, weil dieser Gewaltschmerz gefehlt hat, das hat die innere Explosion noch gefördert.
Ich saß hier und hab gezittert und Panik gehabt. Telefoniert (LASS mich doch schneiden! BITTE, nur HEUTE – sie hat gelacht und ich auch)
Dann saß ich vor der Glotze und sah vor mir, wie ich meinen Körper verletze.
Ich dachte „Ich tu es“ Mehr nicht.
Ich konnte nicht denken, nur dieser stumpfe Tunnelblick.
Ich ging ins Bett, stellte den Wecker auf 6.
Wurde geweckt und dachte „Ich bleib im Bett, ich schreib Geschichte nicht, ist mir egal, ich lass mir ein Attest geben“
Dachte „Ich bleib im Bett, schwänze die ersten 2 Stunden, geh zur Arbeit und dann schwänz ich die letzten 2 Stunden.“
Ich ging in die ersten 2 Stunden. Stand am Bahnhof und dachte „Als ich ich das letzte Mal so schlimm gefühlt habe, war ich 17 und hatte meinen letzten Suizidversuch.
Ich schrieb die Arbeit. Versuchte es jedenfalls und schrieb nebenher einen Brief.
Ich dachte, jetzt geh ich heim. Nein, ich intoxikier mich. Nein, ich sollte in die Akutklinik.
Der alte Kampf: Der Anspruch, nicht ohne eine Verletzung Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Verena gab mir die Telefonnummer und ich rief hier in der Klinik an. Ich solle vorbei kommen.
Switch
„Stella, du bist eine verdammt beschissene dumme Scheißschlampe – was zur Hölle geht bei dir schon wieder ab, haste den Arsch offen!?“ + [einige Details unter der Gürtellinie]
Ich dissoziierte nicht mehr und verachtete mich nur noch. Trotzdem fühlte ich mich dafür nicht mehr hilflos, ohnmächtig und ausgeliefert, also eher positiv – dafür war die Spannung unter der Decke.
Die Schule war aus und ich lief zu Zug.
An drei Apotheken vorbei.
„Stella, geh in die Apotheke“
Ich ging vorbei.
Drei Mal und immer wurde ich wütender, bzw. der Teil der wollte, dass ich mich jetzt endlich vergifte und halbtot ins Krankenhaus käme.
Nichts sehen, nichts hören, nichts denken – ich schob einen monstermäßigen Essanfall, voller Hass und Wut.
Dann war ich hier. Um 15 Uhr und schlief bis 21 Uhr.
Telefonierte bis 22 Uhr mit Papa, der sich sorgte und schlief bis Sonntag 13 Uhr.
Es war besser.
Ich verbrachte den Tag im Bett und laß und schlief.
Heute ist es wieder gut.

Ich sagte der Thera, schon mit 18 habe eine Thera zur Aufnahme geschrieben „Wen ihr Vater sie verlasse, fühle sie sich, als würde er sterben“ und heute hat sich kaum etwas geändert.
Wenn er geht ist es so, als wüsste ich, dass er hingerichtet wird – sooo extrem schlimm ist das für mich.
Bin da wohl irgendwo in der Kindergartenzeit hängen geblieben. Wobei ich im Kindergarten nie Probleme hatte, abgegeben zu werden, diese Panik und Verlustangst kam erst später und seit dem häng ich da drin.
Bei meiner Mutter genauso…
unlustig.

Die Thera will mich bis zum Abi behalten und möglichst noch das erste Studienjahr :head: :head: :head:
Wer weiß, wo ich lande, aber es gibt mir viel, zu wissen: Diese Frau bleibt die nächsten 3 Jahre meine feste Konstante :)

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Tunnelblick

26. Mai 2013

Hi ihr Lieben,

mir geht es stark durchwachsen. Heute ist Sonntag und ich saß mal wieder an meinem Referat über den 30jährigen Krieg. Das ist ja sooo viel!
Ich habe 2 verschiedene Geschichtsbücher, aus denen ich erstmal alles Wichtige raus geschrieben habe.
Dabei muss ich das ganze am Mittwoch schon vortragen.. :/ Ich sitze aber auch schon eine knappe Woche dran, aber richtig daran arbeiten tu ich erst seit Donnerstag.
Mein Vater hilft mir aber zum Glück. Er liebt Geschichte und ist auch sonst arg wissbegierig. Ich schätze das an ihm, das hat er an mich weiter gereicht 😉
Naja, ich habe schon ein bisschen mit der Power-Point Präsentation angefangen. Aber jetzt habe ich keine Lust mehr. Eigentlich macht es auf eine Art schon Spaß, aber wenn ich genug rumfluche, wie scheiße die Schule ist, fällt es mir leichter, mich dran zu setzen.
Ich sage dann „Ich hasse Geschichte, es ist bloß Mittel zum Zweck, ich hasse ALLE Fächer, aber egal, da muss ich durch“ und damit klappt es dann 😉

Der Rückfall hat mich ziemlich zurück geworfen, aber die Oberärztin hält mich absolut sicher vor einem weiteren Rückfall, egal welcher Art, ab. Von daher schaue ich einfach nach vorn.
Positiver Tunnelblick.
Was anderes bleibt mir ja auch nicht übrig.
Schultechnisch versuche ich, mir den Druck raus zu nehmen, und es klappt ganz gut. Grad auch durch dieses „Die Fächer sind eh scheiße, es ist egal, was ich für eine Note bekomme“
Das klingt total destruktiv, aber ich habe das schon immer recht erfolgreich so gemacht 😉
Je mehr ich fluche, desto besser sind die Noten.
Fakt ist, ich bin ehrgeizig, und eine Note unter 10 Punkten wurmt mich immer, aber es geht um mein Leben, wie ich es möchte.
Am Montag bin ich in Mathe total ins Kind gefallen und hatte so Angst. Der Lehrer hat das gemerkt, weil ich nur da saß und nichts gemacht habe.
„Geht es Ihnen heute nicht gut?“
„Nein“ kindlich. Tränen stiegen auf.
Vor Hilflosigkeit und Angst.
Er, etwas hilflos „Oh.. Das tut mir leid“
Irina hat mich dann geschnappt und ist mit mir an der Hand raus gegangen.
Ich „Die hat ne Regression“
Sie „Wer?“
Ich „Moi“
„Ach so .. Darauf muss man erstmal kommen“
In der Toilette kam mir dann die Idee, kaltes Wasser ins Gesicht zu spritzen, da ging es Gott sei Dank wieder.
Dieser Zustand ist einfach furchtbar! Ich dachte später „Kann ich nicht nach dem Abi symptomfrei werden?“
Alle sagen, ich hätte keine Probleme, ein sehr gutes Abi hinzubekommen, vom Kopf her.
Die Angst besetzt meinen Kopf und lähmt mich.
Schneiden befreit, Aktionismus tritt ein. So war es immer, darum war ich auch recht gut in der Schule.
Nicht trotz, sondern wegen dem Schneiden.
Aber ich will mein Leben ohne das schaffen. Im Krankenhaus war „alles sooo schön“, der Nebel wegen den Substanzen, es wurde auf mich aufgepasst – danke, mehr brauche ich nicht.
Diese Ruhe in mir.
Wäre diese furchtbare Oberärztin nicht, würde jetzt wohl trotz aller guten Vorsätze der Kreislauf losgehen. Schneiden oder Tabletten.
Ich bin dieser Ärztin so dankbar, es ist so abschreckend.
Statt dessen halte ich mir vor, dass es erst in 1,x Jahren abirelevant wird und „bis dahin alles scheiß egal ist, Stella!!!“
Die Arbeiten sind so gut wie geschrieben, das Halbjahr in 6 Wochen vorbei.
Am Mittwoch schreibe ich Mathe nach und halte das Referat, den Montag drauf eine Englischarbeit und dann ist fertig.

Sonst habe ich „Ich bin aber auch ein Notfall“ gelesen, darin erzählen Anna und Tim vom Alltag der Pflegekräfte in deutschen Notaufnahmen.
Sehr unterhaltsam geschrieben!
Dann habe ich noch „Das Physikum“ entdeckt und konnte nicht widerstehen. 880 Seiten, 20 Euro.
Was ich toll fand: Biologie wird bis zum Abi komplett abgedeckt.
Aber eigentlich will ich das Buch nur als Motivator. Ich schleppe es ständig im Haus rum, wenn ich Geschichte machen soll. Und dann denke ich, wenn ich keine lust habe „Stella, hör auf zu jammern, du hast dich nunmal für eine Wunschlaufbahn entschieden, die abartig lernintensiv ist!
Da musst du durch!
Ohne Lernen und Fleiß geht es nicht, das hat dir Chiara bescheinigt.“
Also tue ich es.

Sonst rufe ich morgen bei den Maltesern hier an und bin schon gespannt.
Diese Woche werde ich mich noch mit Meike treffen. Sie hat ja Arbeit gefunden und fängt im Sommer nochmal mit dem Aufbaukurs an.
Eigentlich hat sie keine Zeit für ein Treffen „Aber für dich nehme ich sie mir gerne“
Es ist sooo wunderschön, das zu hören.

Ich wünsche euch einen guten Start in die Woche :wink:


25. Februar 2013

25. Februar 2013
*hüstel*
Innenkinder können anstrengend sein…
Ich liebe die Schule immernoch :)
Bin nämlich nach wie vor der Oberblicker :D
Und um das jetzt noch zu toppen: Ich liebe Englisch und Mathe *g*

„Ist es grad schwierig“

4. August 2012

würde eine Betreuerin aus der Klinik jetzt sagen.

Ja, ist es.

Ich habe den Ausbildungsvertrag von dem Allgemeinmediziner bekommen und werde ihn unterschreiben.
Wenn der Gynäkologe mir grünes Licht für Dienstag gibt, geh ich hin.
a) hab ich eh nichts besseres zu tun und
b) muss ich wissen, ob er mich nehmen würde!

Ich brauch das fürs Ego.
Und wenn er absagt, kann ich ihn gemütlich abwerten, natürlich gedanklich :uglylaugh:

Naja, jetzt ist auch klar, dass ich die Klasse wechseln werde. Das fällt mir schwer…
Ich frag Elena, ob sie wechseln will/darf.
Ich glaubs zwar nicht, aber egal. Wenn nicht ist es kein Weltuntergang, das wird schon.
Es sind nur 2 Jahre…

Hab die ganze Woche meine Medis nicht genommen.
Sie gingen aus, Psych hatte zu und ich saß lethargisch rum.
Bis gestern. Da wollte ich eigentlich fahren, wollte aber nicht.
Es ging dann mit nem gefaxten Versicherungsnachweis von der KK und einem gefaxten Rezept.

Viel geswitcht wieder.
Viel zu viel für mich und für meine Mum sowieso.
Bis zu Suizidgedanken. Aber es geht wieder. Chronischen sv Druck.  Flashbacks sowieso.

Es ist grad schwierig!


Einfach weitermachen

20. Juli 2012

Ich fuhr am Mittwoch abend zu Sab.
Das Probearbeiten bei dem Gynäkologen hatte ich vom Nachmittag auf den vormittag verschieben können.
Es war mir wichtig, endlich die Hörgeräteanpassung zu bekommen und zur Therapie zu gehen.
Ich traf bei Sab ein. Wir schliefen beide bald ein.
Am Donnerstag morgen frühstückte ich 2 Schokoriegel (240 kcal).
Dann aß ich vom Bahnhof-Automaten ein Twix und Apfelkuchen. Ich kaufte versehentlich 2 Twix.
Gegen 8.30 Uhr kam ich in das Gebäude, in dem auch die Praxis war.
Ich setzte das Twix auf den Briefkästen aus und betrat die Praxis.
Isa war schon da. Eigentlich öffnet die Praxis um 9 Uhr und auf diese Zeit wurde ich auch einbestellt, doch ich traute der Zugverbindung nicht.
Diesmal trug ich auch die richtige Kleidung und beim umziehen achtete ich darauf, dass sie meine Narben nicht sah.
Trotz Oberteilwechsel gelang mir das. Sie schrieb Arztberichte über den Kopfhörer.
„Erstmal, begann sie, gibt es hier keine Deppenarbeit.“
Ich verbrachte den Vormittag damit, Karten einzusortieren.
„Kannst Du das Alphabet? Ich frag das nicht, weil ich Dich für unfähig halte, sondern weil die Leute oft die Akten einfach irgendwo reingesteckt haben und wie lange das dauert, kannst Du Dir ja denken, wenn man allein ist und Patienten warten!
Ich versicherte ihr, dass ich das ordentlich machenn würde und tat es dann auch.
Manche Akten fand ich nicht, die waren dann wo anders.
Ich sortierte ein und übertrug schließlich Befunde von Briefen in die Akte.
Ich maß 2 Patienten den Blutdruck und sah beim assistieren zu.
Zerriss Kartons und brachte sie schließlich runter. Trug Urinproben von a nach b.

Ein Teil in mir hasst sämtliche Körperflüssigkeiten außer Blut.
Während dem arbeiten spürte ich dies, als hätte ich neben mir eine Person, die diesen Widerstand spürt.
Praktisch.
Ich hoffe auch, durch die Arbeit abgehärtet zu werden.
Speichel, Urin, Schweiß sind einem Teil in mir anscheinend der Graus schlechthin.
Auch während ich das schreibe, spüre ich es nicht, habe keinen Zugang dazu.
„Alters“ wird der Therapeut abends sagen und mich mit diesem Schlagwort bis jetzt zusätzlich unter Anspannung setzen.

Ich verstehe mich mit Isa. Mag sie.
Mag ich eigentlich jeden?
Ja, irgendwie schon.
Tatsächlich sind es meist die anderen, die mit mir ein Problem haben. Ich bin toleranter, introvertierter, was das angeht.
Nüchterner. Oder so. Fühle mich grad leblos. Nicht unangenehm.

Ich soll am Donnerstag nachmittag nochmal kommen.
„Wegen der Vorgeschichte“ sagt er.
Wieder eine ganze Woche.
Fahre in die andere Stadt. Hörgeräteanpassung.
Angst, nervosität, weil ich ja weiss, wie neu das ist.
Und Neues macht mir Angst, ich mag es nicht.
Oliver passt es mir an. Wir sind per Du. Ich mag ihn.
Naja, er ist halt ein Mann. Es geht.
Wir schwärmen beide für die HNO Ärztin. „Also, ich mag sie auch noch als Mann…“
schweigen
Ich mag sie als Vorbild. Als Mutter.
Klar, wie immer halt.

Bis zur Therapie habe ich noch Zeit und gehe zum Jugendtreff.
Catharina ist da und eine Freundin.
Die Freundin erzählt, dass ich eine Ärztin mal angeschnauzt hätte und ich weiss nichts davon.
Bevor die Angst mich überfallen kann wechseln wir das Thema.
Im Winter war das. „Da warst Du nicht die Stella, die ich kenne“
Nicht das erste Mal und sehr bedrohlich zu hören. Wie immer halt.
Ich bin kämpferisch gegen die Krankheit. Ich sehe Catharina an, dass sie sich freut.
Schreibe über facebook mit Sab.
Sie trinnkt.
2 Flaschen Wein.
Verspricht, nichts zu schlucken.
Toll, es ist knapp halb 5.
Ich werde wütend. Sage „Warum meldest Du Dich nicht für DBT an?“
Sie steht für Trauma auf der Warteliste, das bringt aber nichts, weil sie die Bedingungen nicht schafft!
Kein Alkohol und kein schneiden.
Sie sagt, sie wird nachdenken.

Therapie.
„Woher nehmen Sie die Kraft, zur Zeit?“
Ich lache, ich weiss es nicht.
Einfach weitermachen. Gradeaus schauen, Trümmer ausblenden, Scheuklappen tragen.

Ich falle fast vom Sitz der Straßenbahn, so müde bin ich. Es ist kurz nach 19 Uhr.
Sab ruft an. Eine Station vor dem Bahnhof. Ich kann doch übernachten.
Erleichterung.
Ich bleibe sitzen und fahre durch.
Sie sieht schrecklich aus.
Falle fast ins Bett und dämmere.
Erschöpfung, die handlungsunfähig macht, aber alles mitbekommt.
Sie erbricht sich mindestens 20 Mal.
Was erbricht sie?
Jedes Mal, wenn ich die Badtür höre denke ich, sie verletzt sich und dass ich sie aufhalten muss, aber nicht kann.
Zu k.o.
Vorwürfe.
Wenn sie sich schneidet, geht es wenigstens einem von uns besser.

WOHER KOMMT DIESER GEDANKE?
Übermüdung, Erschöpfung, ich kann nicht mehr.
Höre knistern.
Was machst Du?
Ich nehme Truxal. Nur 50!
Nein, murmle ich. Du hast es versprochen…

Schneiden.So gerne.
Die Befreiung.
Aus dem Körper schießen, frei sein. Losgelöst von dem Gefängnis aus Fleisch und Blut.
Lachen, berauschendes Glück, tiefe Schnitte, Blut, lachen.
Erlösung.

Gegen 21.45 Uhr spüre ich mich wieder. Wieder handlungsfähig.
Wir streicheln uns sehr lange.
Ihre Arme, Haare, Stirn.
Sie meine Hand.
Ihr Verletzungsdruck ist nahezu weg.
Meiner nicht.

Ich frühstücke 2 Schokoriegel (240 kcal). Gehe zur Schule und hole mein Zeugnis.
Werde wütend. Weil ich so gut bin und es nichts bringt.
Gehe in den Jugendtreff und mache 5 Kopien.
Fahre zu dem Allgemeinmediziner und bitte meine Mum um Rückruf.
„Ich bin so sauer! Ich hab keine Lust, so lange hingehalten zu werden, das kotzt mich an! Ich geh da jetzt hin und geb ihm das Zeugnis.
Ganz lieb und perfekter Eindruck, aber ich muss Dich jetzt anrufen und mir den Frust von der Seele reden, damit ich bei dem lieb und perfekt bin“
Sie bewundert mich und meine Kraft.

Unterhalte die MFA. Zeige ihr das Hörgerät.
Ich muss 30 Minuten warten. „Selbstverständlich habe ich Zeit“ lächle ich.
Zeige dem Arzt das Hörgerät.
Wir fachsimpeln darüber.
Er ist begeistert vom Zeugnis „Das bestärkt meinen Eindruck schon!“ versichert er.
Auch meine WG Bemühungen.
Mit 10 zusätzlichen Sympathiepunkten für mich verlasse ich die Praxis um 10 Kraftpunkte weniger.
Tanke die Kraft beim fressen.
Nein. Nicht wirklich.
Gehe in die wg. Wieder spüre ich, was sie beeindruckt und sage das dann.
Sie drückt mir für den Job die Daumen und ich soll mich melden.
Quasi eine Zusage, wenn ich den Job bekomme.

Bahnhof.
Ich kann nicht mehr.
Ich nehme das Hörgerät ab.
Besser.

Zug entfällt.
Ich nehme den ICE. „Habe ein wichtiges Vorstellungsgespräch!!!“
„Steigen Sie ein“
Sitze bei einer Mutter mit kleinem Jungen.
„Wir fahren in Urlaub!!!“ kräht er.
Sie ist am Randde des Nervenzusammenbruchs. „Wir sind seit 8 Uhr unterwegs!“
Was musst Du auch durch ganz Deutschland fahren um mit einem Kind und der halben Wohnung Urlaub zu machen!?
Geschlafen hätte sie auch seit 2 Tagen nicht mehr.
„Koffein ist da aber nicht grade sinnvoll“ kann ich mir nicht verkneifen angesichts des Red bull Energys.
Sie schnauzt den Jungen an, als er was sagt. Der Schaffner verkündet, dass der Zug aufgrund der Verspätung von 60 Minuten nicht bis ans Ende fährt, sondern 2 Stationen davor hält.
Sie schnauzt ihr Kind an und er schaut verletzt und hilflos.
Und ich fühle Wut und Ohnmacht.
Bespaße auf der 30 minütigen Fahrt den Kleinen.
Sie hetzt unnötig herum.
„Ich helfe Dir, okay!?“ sage ich mit unterdrückter Wut. Sie soll einfach aufhören, wegen nichts rumzustressen.
Sie muss mit dem Kind und der halben Wohnung nichtmal durch die Unterführung, sondern nur nach gegenüber!
Obwohl ich sage, dass sie ZEIT hat (8 Minuten für 10 Meter) schnappt sie den Kleinen und stellt sich an die Tür.
Der Kleine macht alles mit einer Engelsgeduld mit und ich schließe erschöpft die Augen.

Ich sitze im Zug nach Hause.
Endlich.

Ich bin sehr erschöpft und ausgelaugt.

„Was würde Dir denn heute noch gut tun?“ Mama
Schneiden denke ich. Brechen. Essen und brechen.
Der Gedanke macht mich traurig, gleichzeitig fühle mich etwas stumpf vor ausgelaugt-sein.
Ich esse weiter.
Es gibt Tortellini. Ich bin satt, aber egal. „Baden“ sage ich. Das habe ich sowieso schon vor gehabt.
„Und morgen? Das WE?“ fragt sie.
„Jeden Tag etwas Gutes für Dich, wegen der Anstrengungen“
„Hmm. Ja … mal gucken … “
Brechen denke ich.
„Fbielst Du mit mir Fkibbo?“
„Nein, Alter und hör auf so zu reden!“
lachen
Das ist überhaupt nicht witzig, dass hab ich schon tausendmal gesagt, das ist einfach nur behindert!“
„Nicht behindert“ murrt sie gekränkt „vllt doof, aber niiicht behindert“
:willnicht: :willnicht: :willnicht: :willnicht: :willnicht:Ob wir das andere Kartenspiel spielen.
Ja. Sie mischt und ich kotze.

Essen. Brechen.
Verachtung und Wut gegenüber meiner Mum. Annika sagt, ich idealisiere meinen Dad grundlos.
Das, was ich von ihm zu viel idealisiere, werte ich bei meiner Mum ab.
Zu unrecht.
Ich weiss das, aber die Gefühle sind stärker.

Ein Essanfall wäre toll denke ich.
Nein! Wenn Du jetzt nachgibst, sitzt Du in 5 jahren wieder in der Klinik.
Keine Symptomverschiebung!
Der Rückfall nach dem Abendessen genügt!

22:24 Uhr
Die erhoffte Schreibflut ist befriedigt.
Schreiben und schneiden hat den ähnlichen Effekt, nur dass schreiben halt länger dauert.
Es ist nicht das schnelle Glück, damit kann ich jetzt leben.
Für den Moment.
Bis zum nächtsen Mal.
Einfach weitermachen.

Ich fühle mich wie der Riese, der einen Stein einen Berg raufrollen muss.
Ja, es ist absehbar.
Und wenn beide absagen?
Wenn ich NICHS habe ab Sommer?

Dann habe ich ein Zeugnis mit Einsern und Zweiern, Versetzung und LOB und kann drauf scheißen.