30. Januar

30. Januar 2014

Ein Jahr.

Gleichzeitig sehr intensive Erinnerungen. Gestern „Um diese Zeit lag ich auf der Liege, da bin ich mal wieder weggekippt, da zu mir gekommen, Infusionen.
Der Arzt „Stella, ich hab mit der Psych gesprochen. Fühlst du dich jetzt angepisst? Über deinen Kopf hinweggesetzt?“
Dann jetzt um die Zeit, die Götterärztin bei mir, ihre kalte Hand, Chiara und der Oberarzt „Jede Verletzung kann zur Zeit die letzte sein“

Ein Jahr.

Vorhin war ich total mies drauf. Dachte an ne Intox „Nur heute, ist doch egal“
und die gesunde Seite „Nein!“ und wieder die Kranke verzweifelt/sauer „Was bleibt mir denn dann noch?“

Das Leben.

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Geschützt: Erinnerungen ’07 – ’08 (suizid)

17. Dezember 2013

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KJP

10. Dezember 2013

Im November 06 ist mein Papa ausgezogen und ich war total fertig.
Im Februar des darauf folgenden Jahes wurde ich das erste Mal in der KJP aufgenommen. Die erste Mahlzeit war „gut“, ich hab kaum was gegessen. Aber dann kam mein Papa und sagte, er hätte die überreden können, dass wir so zum Abschied nochmal ins Theater gehen dürften, weil wir die Karten auch schon länger hatten.
Aber ich wollte nicht. Ich war da jetzt angekommen und wollte dann auch nicht an dem Tag weg.
Kurz vor der Tür, wo mein Papa saß hab ich leise zu der Therapeutin (im Weiteren nur noch das Pferd) gesagt, dass ich nicht mit will, aber sie war schon halb drin, und hat das drinnen dann auch nicht gesagt.
Und ich traute mich dann nicht, es meinem Papa zu sagen. Wir sind dann gegangen, die Oper war ein Traum! Hinterher noch essen gehen und ich hab ganz normal gegessen. Daheim hab ich mich dann nochmal geritzt, so nach dem Motto „Das letzte Mal“

Am nächsten Tag, einem Samstag, bin ich dann zurückgekommen. Hab sehr viel gegessen und fand das scheiße. Da kam ein Mädchen zu mir, Jenny und fragte „Willst du meine Freundin sein?“
Ich „Ja“ und wir waren Freunde. ;)
Die war ein halbes Jahr älter als ich, aber sehr kindlich, im Kopf wie eine 4jährige.
Und sie war schwanger.
Am Anfang gab es ziemliche Schwierigkeiten zwischen mir und anderen, ich glaube, ich war die erste Bulimikerin dort und die anderen haben sich darüber lustig gemacht. Unter anderem Damian und Jens. Aber es ging dann mit der Zeit.
Am 2. Abend habe ich mit Jenny geredet, und ich erzählt, dass ich mich am vorigen Abend noch geschnitten hätte, und sie meinte, ich müsste das sagen, die würden das fotografieren.
Ich wollte nicht! Ein Betreuer kam zu mir und wollte mir den Blutdruck messen.
Ich – saublöd – „Aber nicht am rechten Arm!
Er natürlich gleich „Warum?“
Ich hab VERSUCHT es ins lächerliche zu ziehen „Tiger blaa“ – es war erbärmlich und ich habs nicht hingekriegt, mich ironisch anzuhören.
Es ging mir einfach nur dreckig!
Er „Und der hat dann mit seinen Krallen…“
Wie gesagt – Absturz pur, ich hätte ihn umbringen können, oder besser, mich!
Ich stand dann komplett fertig in der Küche. Dann kam die Betreuerin, Anna, zu mir und meinte so, die würden Verletzungen immer fotografieren. Ich war extrem leer, willenlos und mir war es dann auch egal. Aber ich hab nicht hingeguckt.

Ich hab dann im Anschluss an die Prozedur gefressen, und war extrem geladen! Hab Internet Freunden SMS geschrieben – obwohl man das Handy eigentlich gar nicht behalten durfte – und die haben mich ein wenig aufgebaut.
Ich dachte dann auch „Toll, jetzt bist du also in ner Klapse. Super Abstieg, Stella“ Ich hab dann meiner Bezugsperson, der Catrin, erzählt, dass ich mein Leben eh schon verkackt hab und es eigentlich doch sinnvoller wäre, wenn ich mich umbringen würde.
Und auch, dass ich ja den Föhn ins Wasser schmeißen könnte.
Sie meinte „Dann bist du suizidal“
Sie wollte, dass ich im Isolierzimmer schlafe, aber ich meinte so „Nee, ich hab ja eh nichts, womit ich was machen kann. Eigentlich war ich mit einem Mädchen im Zimmer – Juliane, aber die war daheim, und ich hab mich entsetzlich allein gefühlt, auch, weil die anderen mich so geärgert haben…
Anna meinte dann, das wäre eh „erbärmlich“, weil die ja auch nicht ohne Grund da sind!
Ich war mal in einem Forum, da war Karto.
In der KJP Zeit war sie 14 und sie wollte mir ein Armband schicken, was sie zufällig gefunden hat und sofort an mich gedacht hat.
Es bestand aus kleinen, bunten Marienkäfern, so wie mein Forum damals.
Ich hab ihr dann einen Brief geschrieben, wie mies es mir geht, dass ich das Gefühl habe, von den anderen abgelehnt zu werden…..
Detailiertes weiß ich nicht mehr.
Und hab ihr 10 Euro mit in den Umschlag getan, für das Armband. Ich wollte den Brief dann wegbringen und war ein paar Minuten weg – Brief weg!
ALLE haben gesagt, sie hätten keine Ahnung.
Am Ende hat sich rausgestellt, dass Sandra – eine Mitpatientin, die mich mega fertig gemacht hat – und Jenny den Brief geklaut hätten, GELESEN und das Geld behalten.
Dann haben sie den anderen erzählt, dass ich geschrieben hätte, wie scheiße und dumm die anderen wären!
Diese Vollidioten haben das dann geglaubt und ich war untendurch.
Jenny hat mir die ganze Zeit gesagt, dass sie damit nichts zu tun gehabt hätte und ich hab ihr geglaubt.
Aber dann musste sie mit Sandra reden und die beiden kamen als beste Freunde wieder raus, so lief das…
Ich hab dann mit Ellen, einem anderen Mädchen, geredet und es wurde echt ganz langsam besser.
Mit Juliane hab ich mich eh gut verstanden, aber wegen der Schule war sie nicht oft da.
Eines Tages kam ein Mädchen rein – Maya. Sie hat auf der Station gewartet, weil sie gleich ein Gespräch hatte bei einer Klinikthera. Sie war ambulant da. Irgendwie haben wir uns von 0 auf 100 hammer gut verstanden.
Wir sind dann aufs Zimmer gegangen, und Damian, hat voll genervt, und die ganze Zeit die Tür aufgerissen, da hab ich sie abgeschlossen.
Ein Betreuer hat dann wieder aufgeschlossen und Maya musste gehen.
Doch wir tauschten Adressen aus.

An einem Abend, so in der 2. Woche, wollte ich mir die Beine rasieren, hab einen Rasierer bekommen, Schaum, etc. Ich hatte bisher immer einen Elektrischen, und so hab ich mir unabsichtlich echt das ganze!! Bein aufgeschnitten. Wegen dem Schaum hab ich das nicht gecheckt – erst, als es brannte.
Bin dann raus, hab Bad und Flur vollgesaut, und wollte nach einem Betreuer rufen, aber mir ist kein Name eingefallen, hab dann nach Jenny gerufen.
Ich hab mir Sorgen gemacht, ob die mir glauben, dass es keine Absicht war, aber zu meiner Überraschung wurde mir geglaubt. Am nächsten Tag um 19 Uhr durfte ich mein Handy holen und sah in der Kiste den Rasierer!
Der hat mir ja gar nicht gehört, aber eine Betreuerin, Simone, hat das wohl gedacht.
Ich bin ganz ruhig auf die Couch gegangen und hab überlegt, wie ich da ran komme.
Hab es dann geschafft und mich geschnitten.
Es war… toll.
Den Rasierer hab ich zurück gelegt.
Schlafen.
Am nächsten Morgen ging es mir dreckig deswegen. Ich habe mir Vorwürfe gemacht „Jetzt bist du hier deswegen. Du willst doch damit aufhören!!!“
Anna war da. Ich hab ihr einen Zettel geschrieben, ob ich mal mit ihr reden kann. Sie hat genickt und kam mit mir ins Zimmer.
Ich hab es ihr gesagt.
Sie hat mich umarmt und gesagt, dass sie es traurig fände, wenn ein so hübsches Mädchen sowas machen würde. Ich fand es toll, dass sie mich umarmt, aber war sehr steif, so nach dem Motto „Du verdienst das nicht!!!“
Die war irre lieb zu mir und hat dann noch so mit mir geredet. Anders als beim letzten Mal konnte ich hinschauen – das ist ihr aufgefallen.
Ich meinte, ich würde es schön finden, weil es so gleichmäßig wäre – nicht so ein Chaos.
Anna hat Sommersprossen und hat ihren Ärmel hochgezogen. „Ich habe den häßlichsten Arm der Welt! Wäre der mit Linien schöner?“
Ich weiss nicht mehr, was ich gesagt habe. Sie meinte auch, dass es ihr Leid tun würde, wenn sie etwas tun muss – fotografieren – wenn es dem anderen so dreckig geht, und dass sie das letztes Mal gespürt hätte, wie fertig ich bin.
Vor allem, wenn sie welche mag.
Mein Puls beschleunigte sich gefühlt vor Freude „Anna, magst du mich?“
Sie „Natürlich, hast du das etwa nicht gemerkt? Sehr sogar!“
Ich war total high!!!
An diesem Tag wollte Maya kommen und ich hatte Angst, wegen dem svv nicht rauszudürfen.
Anna meinte dann, wir könnten es entweder dem Pferd einfach nicht sagen, sondern erst am nächsten Morgen (Noch ein Grund mehr, Anna zu lieben) oder wir sagen es ihr, und falls ich einen so schlechten Ausgang bekomme, dass ich nur mit einem Betreuer aufs Gelände darf, würde sie dann halt mitkommen, und so Abstand halten, dass wir ungestört quatschen könnten.
Ich hab mir dann für letzteres entschieden und durfte auch allein raus.
Ich hab Maya unglaublich toll gefunden, total hübsch und alles. Sie hat zu einem sehr hohen Gebäude geschaut und gesagt, dass sie total gerne da runterspringen würde. Ich konnte das total gut nachvollziehen! Ich war eigentlich bis Ende 16 kein Stück suizidal – wenn man von diesem Affektsuizidversuch mit 13 absieht. Aber ich fand die Vorstellung toll, „frei“ zu sein.
Sie hatte dann Therapie (auch beim Pferd, wie sich herausstellte) und hat mir ein Buch dagelassen „Der Scherbensammler“.
Ich hab dann wegen svv ne VA geschrieben, und war echt total bei der Sache – Extreme!
Es tat mir wirklich Leid, dass ich mich geschnitten hatte – weil ich wollte es ja wirklich nicht!!
Das Pferd war ziemlich ungehalten.
Sie meinte, sie würde nur Feuerwehr spielen und das wir gar nicht zu den wichtigen Sachen kämen.
Vielleicht war dies unterbewusst ein Schutz von mir.
Als es dann „zur Sache“ ging, hatte ich manchmal echt ziemliche Abstürze.
Ich kann mich an ein Gespräch erinnern – bzw. an dessen Folgen – den Inhalt weiss ich nicht mehr.
Jedenfalls hab ich dan den ganzen Nachmittag aufm Klo verbracht und einfach nur dagesessen.
Die Betreuer dachten, ich hätte Unterricht, aber hatte ich erst später.
Irgendwann haben sie dann gesucht und ich bin in mein Bett und hab getan, als hätte ich geschlafen.
Eines Tages kam eine neue, Christina.
Wir anderen haben davon erst mal gar nicht viel mitbekommen – sie kam mit Sanitätern auf einer Liege und kam ins Einzelzimmer.
Die war da wegen einem Suizidversuch, hatte lange im Krankenhaus gelegen, und kam dann in die KJP. Als ihr nach einem Tag Blut abgenommen wurde kam raus, dass ihre Werte lebensgefährlich schlecht waren, kurze Zeit später lag sie schon wieder im Koma.
Sie wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen, weil man annahm, ihre Leber müsse transplantiert werden.
Doch dann war sie wieder da.
Dennoch bekamen wir sie die ersten drei Wochen nicht zu sehen, da man sie in einem Zimmer eingeschlossen hatte.
Uns andere Patienten hat das natürlich neugierig gemacht – ich hatte nur mitbekommen, wie Rettunssanitäter sie auf einer Liege reingebracht haben.
Ein oder zwei Tage später war sie dann plötzlich wieder weg, und dann plötzlich wieder da.
Ich hab das nicht so mitbekommen.
Jenny und ich waren genauso neugierig und haben gesagt, wir gehen in den Garten.
Chrissi war im Erdgeschoss und wir sind zu ihr ans Fenster und haben mit ihr geredet.
Irgendwann durften wir dann auch offiziell zu ihr, ins Zimmer.
Wir haben uns sehr gut verstanden, und als sie dann auch raus durfte, auf die Station und zum Essen, da haben wir uns angefreundet.
Nach 2 Wochen wurde Juliane, das Mädchen mit der ich im Zimmer war, entlassen, und wir konnten unsere Therapeuten überreden, dass sie hoch zu mir ins Zimmer durfte. An einem Abend ging es ihr scheiße!
Ich hab das gar nicht so gecheckt, aber dann mitbekommen, dass sie sich verletzt hat. Unsere Theras haben uns beiden klipp und klar gesagt „Wenn einer von euch scheiße baut, sagt der andere Bescheid!“ Ich weiss nicht mehr, ob sie gedroht haben, wenn der andere nicht Bescheid sagt, würde sie wieder runter ziehen müssen.
Jedenfalls hab ich bescheid gesagt, und sie musste mit runter, zum verbinden.
Ich hab mich total aufgeregt und saß auf meinem Bett und dachte „Beruhige dich! Atme in den Bauch“
Das hab ich dann auch gemacht – es allerdings übertrieben, ich hab dann angefangen zu hyperventlilieren. Ich musste nach draußen und musste durch eine Atemmaske atmen. Besser wurde es nicht. Meine Finger und Füße haben gekribbelt und wurden taub und ich hab dann noch zu weinen, oder jammern angefangen.
Jedenfalls kamen 2 Jungs, die ich total mochte, Benjamin und Onur, aus ihren Zimmern, haben besorgt geschaut und sind dann wieder ins Zimmer.
Ich hab ein Tavor bekommen. Und später nochmal.
Dann wurde es besser und ich müde.
Ich hab bis um 10 Uhr des nächsten Tages geschlafen.
Chrissi musste dann wieder runter und ich glaube, sie hatte wieder geschlossenen, jedenfalls durfte ich nicht zu ihr.
Ich hab ihr dann einen Brief geschrieben, und bin wieder in den Garten und habs ihr übers Fenster gegeben.

mir gehts scheisse, so richtig. Bei der nächsten Gelegenheit bring` ich mich um. Es tut mir so Leid, was gestern war. Ich will wieder zu dir ins Zimmer.Mit dir kann man so gut reden. Aber ich darf nicht mehr reden, sonst werde ich bestraft. *Klinikthera* sagt ich soll mir nicht immer die Schuld geben, dabei tuen sie es. Ich komme wahrscheinlich nach Haus, dann wird alles so sein wie vorher. Ich halt es nicht aus hier, ich will einfach nur sterben. Keinen interessiert es wies mir geht von Betreuern oder so. Ja natürlich hat es mir geholfen, dass du da warst.
Ich kann endgültig nicht mehr mitarbeiten. Sie schieben mich sowieso wieder ab. Mein Leben ist nix wert, dass zeigen sie mir.
Alle Betreuer hassen mich. Ich will einfach nur sterben.
Es tut mir Leid wegen gestern, ich habe solche Schuldgefühle.
Es tut mir Leid!
Danke Stella, aber ich schaff`es nichtmehr!

H.D.L
Chrissi
Du packst das!

Aber es war nicht immer so. Keine Ahnung warum, aber sie hatte eine zeitlang Aggressionen gegen mich.
Ich kann mich an eine Situation erinnern: Mittagessen.
Und wir haben feste Sitzplätze.
Zwar jetzt nicht mit Namen drauf, aber so inoffiziell halt. Als ich neu angekommen bin, hieß es gleich „Da sitzt da und der“ als ich mich irgendwo hinsetzen wollte. Wenn jemand gegangen ist und dafür ein neuer kam, hat der immer den Platz bekommen.
Am Wochenende gab es keine feste Frühstückszeit, halt nur „bis spätestens (keine Ahnung)“ und dann hat man sich halt zusammengesetzt, wer grad da war.
Und an einen Mittagessen hat Chrissi sich auf meinen Platz gesetzt, bzw. ihr Geschirr.
Ich hab das gar nicht so gecheckt und habs einfach um eins weitergeschoben, so dass sie neben mir saß und sie hat sich mega aufgeregt deswegen und ich so „Das ist mein Platz!“
Irgendjemand (weiß nicht, ob ein Betreuer, sie, oder jemand anderes) „Es gibt keine festen Plätze“
Und bei mir hat das so in der Zeit angefangen, dass ich es über alles gehasst habe „Plötzlich“ vor neue Tatsachen gestellt zu werden!
Ich war sauer – sie war sauer – perfekt.
Ich hab dann auch gemeint, sie hätte mich ja fragen können!
Wenn sie gefragt hätte „Darf ich auf deinem Platz sitzen“ hätte ich ja gesagt, weil es mir egal gewesen wäre. Aber dann so plötzlich diese „Tatsache“, ich sitz jetzt hier, hat mich überfordert. Das wird jetzt wohl kaum einer nachvollziehen können – ich kanns ja selber nicht erklären – aber ja.
Und am Anfang, als ich das weitergeschoben hab, hab ich ja echt gar nicht nachgedacht…
Egal, auf jeden Fall haben wir uns entweder sehr gut, oder sehr schlecht verstanden
Mit ihrer Art hat sie mich dann aber auch extrem wütend gemacht.
Ich hab mit den anderen geredet und die fanden das ganz genauso. Wir haben in der Stationskonferenz darüber geredet – ich hab eigentlich alles gesagt, und die nicht-schwangere Jenny hat mir zugestimmt. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele.
Die Musiktherapeutin hat dann mal gesagt, wir (Chrissi, Marlene und ich) sollten sagen, was wir am anderen mögen, und irgendwie ging es dann langsam wieder.

Es gab auch Fitness, mit Geräten und so. Ich saß im Gemeinschaftsraum, als eine reinkam, Jaqueline, um die anderen abzuholen, und ich hab gefragt, ob ich mit darf.
Ich durfte.
Ich stand auf dem Laufband.
In dieser Zeit hatte ich rechts 2 ganz kleine feine weiße Narben, also Welten zu heute.
Sie glotzt drauf.
Rechts – links.
„Bist du Borderliner?“
Ich wusste überhaupt nicht, was das ist, hatte davon nie gehört.
Ich schüttelte den Kopf.
„Bist du Schnippler?“ (Ganz ehrlich, das sollten alle Leute grundsätzlich aus ihrem Vokabular streichen, das ist so ein beschissenes Wort… )
Ich nicke.
Und hatte dieses „HAB MICH LIEB!!!!!!!“
Es macht mich irgendwie wahnsinnig verletzlich…
Dann hab ich sie gehasst
Ja, das geht sehr schnell bei mir. Wenn mir jemand zu Nahe kommt idealisere ich ihn entweder, oder das Gegenteil.
Ich war ziemlich aggressiv, auch voll provokant. Als ich mich nach 2 Wochen geschnitten hab, bin ich extra mit Verband an ihr vorbei gelaufen.
Sie natürlich gleich etwas wie „Was? Schon wieder?? blaa“
Da hab ich sie dann genussvoll aus ganzem Herzen gehasst!
Die durfte mich dann auch nicht anfassen – ich hab mir da mal ein Pedalo geholt
sie „Soll ich dich festhalten?“
Ich „Nnnnnnnnnnneeeeiiiiiin, ich halt mich an der Wand fest“
Also soviel zum Thema idealisieren und entwerten.

Wir hatten da schwimmen, und eine 13 jährige von der Kinderstation, Lena, meinte, wenn ich mich schneiden würde, würde ich ewig dableiben müssen.

So ein anderer Typ – Jens, 14, meinte dann zu mir, dass mich alle anderen hassen würden, und ich hab das natürlich geglaubt. Ich war/ bin einfach mega unsicher!
Ich war mal mit Anna spazieren und sie hat sich ein bisschen über ihn lustig gemacht, das fand ich geil!

Marlene, eine Mitpatientin, wollte mir mal die Haare schneiden, aber sie durfte nicht, WEIL – jetzt kommts! – das unter selbst verletzendes Verhalten ging.
Soviel zum Thema Absurditäten in der Psychiatrie.

Ich hatte aber auch öfter Probleme mit Regeln, etc.
Unüberlegt war ich ja sowieso immer!
Jenny und ich – nachdem Sandra entlassen wurde haben wir uns halbwegs gut verstanden – fanden es witzig, den Betreuern einen Zettel zu schreiben, wo glaub ich etwas in der Art stand wie „Ihr seid scheiße“ (Jaa, ich weiss, rasend reif mit 16 Jahren und überhaupt nicht kindisch)
Die haben dann gemeint, wir dürften einen Tag nicht raus, und ich wollte eigentlich noch in meine Heimatstadt fahren!
Mir tat das dann echt total Leid, und ich war mal wieder genervt von mir selber.
Wie immer hinterher.
Zum Glück haben sie mich dann doch fahren lassen.

Ja, so ging das dann da weiter. Ich war 5 Wochen in der Klinikschule, bis ich darauf bestanden habe, in meine Heimatschule gehen zu dürfen.
In der Schule hat mich keiner irgendwie gefragt.

In der Klinik ging es auf und ab.
Vor allem auf, und zwar mit dem Gewicht!
Ich hab in diesen 3 Monaten 6 Kilo zugenommen, obwohl ich schon übergewichtig war.
Das war denen ziemlich egal, wenn ich gesagt hab, dass es mir deshalb schlecht gehen würde. Ich hatte nach wie vor meine Fressanfälle, nur durfte ich danach halt nicht kotzen gehen.
Wenn ichs trotzdem gemacht hätte, hätte ich ins Isolierzimmer gehen müssen (genannt „Time out Raum“ und eine Verhaltensanalyse schreiben. )
Meine Mum hat später mal zu mir gesagt, sie hat jede Woche bei den Besuchen gesehen, wie stark ich zugenommen hab.
Da gab es dann auch Zeiten, wo diesbezüglich nichts mehr ging!
Eine andere Jenny – nicht die schwangere – meinte mal zu mir, dass ich total viel esse, und schon total dick bin etc. Da gings mir entsprechend auch suboptimal!
Die sind dann in der Gruppe rausgegangen, nur ich und Tatjana, eine magersüchtige, waren noch da.
Als die wieder kamen, hat mich die Betreuerin, Arianne, gefragt, was los ist, aber ich wollt es nicht sagen, weil ich mich so geschämt habe!
Sie hat dann gesagt, ihr wäre aufgefallen, als die Gruppe weg war, bin ich runter gekommen, und als sie wiederkam wäre ich wieder gegangen, da hab ich das dann erzählt.
Sie meinte ziemlich hart, so im Sinne von, Jenny solle die Klappe halten und sich um sich kümmern!

Mit Maya hatte ich weiterhin Kontakt, wir telefonierten häufig und schrieben uns. Sie kam dann in eine Nachbehandlungs Klinik und eines Tages beim Mittagessen stand sie im Raum. Ich hab sie gar nicht erkannt, weil ich mir sehr schlecht Gesichter merken kann. Aber wir hatten die ganze Zeit Blickkontakt und dann wars auch klar.
Sie hat da scheiße gebaut, ich glaube, sie wollte sich einer Mitpatientin das Leben nehmen, aber da diese dann doch nicht wollte hat sie „nur“ einem Betreuer Bescheid gesagt, und kam wieder in die KJP.
Wir sind nur zusammen gehangen – nur eine, Julia hat sich voll an Maya gehängt.
Ich war extrem eifersüchtig – weil ich zu der Zeit wieder in meiner Heimatschule war und erst um 14 Uhr kam. Und diese Julia war dann mit Maya zusammen.
Maya hat mir erzählt, die würde voll über mich lästern, wie scheiße ich sei, und ich war dann verletzt, weil sich Maya mit ihr abgegeben hat.
Ich dachte, ICH hätte Maya in dem Fall verteidigt. Und Maya meinte „nur“, dass sie mich mag.
Jaja, Eifersucht!
Die meinte aber auch, dass ich doch keine Bulimikerin sei, weil ich würde ja nur fressen würde und außerdem wäre ich fett, und Bulimiker wären schlank.
GOTT, hat mich das fertig gemacht. Es ist dann wieder auf svv hinausgelaufen.
In der Zeit, als ich entlassen wurde, haben 2 Therapeutinnen (insgesamt war noch ein Mann da) echt zu jedem von uns gesagt, wir sollten in diese Nachsorge Klinik, wo Maya ja auch war. Da würden Jugendliche mit Betreuern leben und hätten auch Therapie. Weil wir so krank wären, dass die KJP eine Weiterbehandlung für ratsam hält.
Ich danke meiner Mutter bis heute, dass sie gesagt hat, dass ich da auf keinen Fall hinkomme. Ich wäre da hingegangen, wenn sie nichts gesagt hätte.
Chrissi ist da hin.
Nachdem ich entlassen wurde habe ich sie da sehr oft angerufen. Aber es ging ihr nicht gut. Irgendwann hat sie sich den Hals aufgeschnitten, und kam wieder in die KJP. Am Telefon hat sie hat mir erzählt, der Oberarzt hätte sie in der Oberarztvisite angeblafft, von wegen, sie solle sich doch mal richtig umbringen, und dass Patienten wie sie dem Ruf der Klinik schaden!
Ich hatte eine wahnsinns Wut auf diesen Mann, zumal ja beim ersten Suizidversuch von ihr echt nicht mehr viel gefehlt hätte.
Zweifel hatte ich keinen Augenblick – mir waren Horrorgeschichten dieser Art über ihn schon von anderen zu Ohren gekommen.
Christina war echt fertig. Ich hatte das Gefühl, sie bald zu verlieren..
Aber irgendwie hat sie dann doch die Kurve gekriegt. Wir hatten dann, auch als sie wieder daheim war, ziemlich lange übers Internet geschrieben und auch telefoniert.


dissoziation stumpfe gefühle

7. November 2013

war der Suchbegriff heute.
Wie passend *seufz*

Seit Montag ist alles scheiße und ich bin sowas von am Abstürzen…
Gestern bin ich aus dem Auto der Mitschülerin ausgestiegen und war so drei Meter weg, da hat es total gekracht und ich glaub, sie ist in das vordere Auto gedonnert.
Meint ihr, ich hätte das irgendwie geschnallt?
Nein, eine andere fragt mich heut in der Schule, ob ich das mitbekommen hab und ich hab ganz dumpfe Erinnerungen.
Getraut zu fragen, habe ich mich dann auch nicht mehr :traenchen:

Ich hab 30 Minuten mit Papa telefoniert, dann gings wieder. Sprich ich konnte versichern, mir nichts anzutun.
Die Not ist auch besser, aber verzweifelt bin ich noch mega.
Im Februar fand ich die Abendschule so toll, weil ich mich nur abends sv und jetzt sitze ich mit leerem Kopf im Unterricht und mache gar nichts.
Das macht alles nur noch schlimmer. Ichdenke nonstop: Daheim mach ich dies das jenes und das ist krass anstrengend!

Verzweiflung ist irgendwie viel schlimmer als Wut, Hass, Trauer und Leere zusammen. Ist wohl ähnlich wie Ertrinken.
Ich kack abends einfach so ab, schon im Unterricht. Nur zum in die Tonne kloppen.
Ich hab sogar überlegt, mich einweisen zu lassen. Aber ab morgen ist Papa zum Glück für 3 Wochen da.
Außerdem hält er das für die allerschlechteste Idee, weil er dieser Oberärztin nicht traut. Ist was dran, aus seiner Sicht. Ich kenn ja nur das Entkommen, er halt nicht.

Meine Idee war eher, 3 Tage Krisenintervention in dem Mistschuppen und dann gehts von alleine wieder gut, weil ich da raus bin ^^
Das hat früher gut geklappt ^^
Andrerseits ist da halt die Frage, ob die mich nach 3 Tagen wieder laufen lässt und die Ex Kameradin Marina könnte ich treffen und das muss nicht unbedingt sein, die hat mich eh gehasst ^^

Ich bin seit Jahren im Winter immer übelst abgestürzt und diese ganzen miesen Symptome sind voll da.
Ich spüre mich nicht (laufe ohne Jacke und schlage mich – nicht gut) fühle mich stumpf, wie Holzprügel statt Armen – höchstens für schöne Schnitzereien zu gebrauchen.
Nebel im Kopf, hmm uvm.

Jetzt höre ich Hänsel und Gretel, göttliche Musik :niederknie:


Borderline meets Psychiatrie

30. September 2013

Die Feld-Wald-Wiesen Psychiatrien sind eigentlich die schlimmsten, in die man als BL kommen kann.
Ich habe es immer so gehalten, dass ich so schnell wieder raus durfte, wie ich reinkam, was bedeutet, dass ich weit über 20 Aufenthalte haben dürfte, aber kaum 2 Monate insgesamt, immer nur tageweise.

Seit 7 Wochen ist meine Freundin mal wieder stationär mit Beschluss und allem drum und dran.
Sie ist über 40 und kennt den Kreislauf auch schon seit 20 Jahren.
Wenn ich mit ihr telefonier bin ich teilweise so wütend, dass ich am liebsten vorbeikommen würde. Es ist die 5. Klinik und so schlimm wars noch nie, sagt sie.
1/3 der Angestellten sind nett, 1/3 neutral, aber 1/3 unterste Kategorie, mit den unmenschlichsten Sprüchen ever!
Nach svv „Machen Sie es richtig“, eine Schwester
„… Tracht Prügel hilft / Will nur Aufmerksamkeit“ uvm.
Dann diese verfluchte Fixiererei. Man ist ja so wahnsinnig hilfsbedürftig und sie hat das Gefühl, schon zu viel zu verlangen, wenn sie muss.
Auch eine chronisch unterbesetzte Station, nach einem Notfall hatte keiner Zeit und sie lag zu lange im Bett ohne Toilette, ist dann entsprechend am nächsten Tag laut geworden, dann 7-Punkt-fixiert (ich dachte, mehr als 5 gäbe es nicht!?).
Danach endlich einen Behandlungsvertrag, zum Glück hat sie es sich noch schriftlich geben lassen, sie hat morgens endlich mal eine halbe Stunde, wo sie laufen darf und mittags eine Stunde.
Macht 22,5 Stunden an der Kette. Wundstellen hatte sie auch schon.
Langsam wirds besser und sie kann sich wieder besser wehren, die Tracht Prügel- Dame ließ mit sich reden und seit dem ist vieles entspannter.
Aber man muss so kämpfen, sogenannten Borderlinern werden so viel mehr Vorurteile entgegengebracht als Psychotikern oä


Winter 2011/12

23. April 2013

In den Tagen um Neujahr 2012 erreichte ich Kerstin. Ich rief sie an, und sie nahm ab, was eine echte Seltenheit ist!
Im Winter 2010/2011 waren wir zusammen auf einer DBT Station.
Obwohl sie doppelt so alt ist wie ich, standen wir uns immer relativ nahe, auch wenn wir nicht so viel redeten.
Doch uns betrafen ähnliche Themen.
Tabletten.
Kerstin ist leidenschaftliche Hauptschullehrerin. „Ich bin halt streng“, sagt sie und das kann ich mir absolut vorstellen. Dabei habe ich sie zugleich als warm, sensibel und einfühlsam wahrgenommen.
Sprich – genau das, was Pubertierende brauchen.
Grenzen.
Was ihr immmer zugesetzt hat, war die Aussicht, berentet zu werden, wenn sie zu oft ausfällt.

Spontan fragte ich sie, was sie am 2. vorhätte.
An diesem Tag würden mein Vater und ich abreisen, ich hatte einen Termin in der Stadt und er musste wieder arbeiten.
Im Ausland, wo er um die 5 Stunden Fahrtweg hat.
Unterwegs wollte ich bei Kerstin aussteigen und übernachten. Ich vermisste sie, wollte sie mal wieder sehen, nachdem wir ein knappes Jahr lang nur sporadischen – dann jedoch intensiven – Briefkontakt hatten.

Es klappte.
Irgendwie kamen wir doch wieder zum Thema Tabletten. Ich erzählte, dass ich seit 18 Monaten nicht mehr intoxikiert war, was sie bewunderte.
Und doch – wir waren beide nicht ganz destruktiv, aber leider auch nicht ganz konstruktiv.
Sie erzählte mir, dass sie Tabletten hätte, die bei Überdosierung Ohnmacht auslösen würden.
Ohne nachzudenken sagte ich „Ich wäre auch gerne mal ohnmächtig“
Sie sagte „Okay, ich geb Dir morgen welche mit“

Heiße Sache!
Und ich fühlte mich gespalten zwischen Experimentierfreude und der warnenden Stimme in meinem Kopf. „Erinner mich morgen dran“ sagte sie.
Ich nahm mir vor, es nicht zu tun.
50:50 Chance – und ich brauchte keine Entscheidung zu treffen.
Genau dieses Verhalten hassen Therapeuten, und richtig gefährlich wird es, wenn man dem Zufall überlässt, ob man stirbt oder nicht.
Ein mir sehr vertrautes Verhalten.
Tabletten schlucken und schauen, ob einen andere retten können. In meinem Fall konnten sie es immer, und mich auch noch vor Folgeschäden bewahren.
Dann soll es jetzt noch nicht sein, dachte ich, dann soll ich wohl noch am Leben bleiben.
Also vertrautes Terrain, die Verantwortung abzugeben.
Nur dass es diesmal nicht um mein Leben ging.

Kerstin vergaß es nicht. Mir war unwohl, doch der Kick schien zu verlockend. Die Kontrolle über den Kontrollverlust – ich konnte entscheiden, wann mein Körper ohnmächtig wurde.
Ein Machtgefühl, dass ich häufig suchte. Wahrscheinlich, um aus dem Gefühl der Ohnmacht und Wehrlosigkeit zu kommen, dass nach und nach verstärkt auftrat, seit dem Menschen meine Grenzen ignoriert und mit Füßen getreten hatten.
Es sollte nur ein Experiment sein! Ich nahm sie an. Eimalig! Nahm ich mir vor. Ich kam nicht an die Tabletten von Kerstin, also brauchte ich mir keine Sorgen über einen längeren Missbrauch machen.
Diese Beruhigungen glaubte ich mir.
Kerstin gab mir 20 und mahnte mich, vorsichtig zu sein.
Das schließt sich nicht aus, auch, wenn es so klingt.
Ich rang mit mir, als ich im Zug saß. Ich durfte es heute eigentlich nicht, ich musste am nächsten Morgen dringend einen Anruf tätigen und eventuell noch auf ein Amt gehen.
Wie so oft aß ich auf der Heimfahrt irgendwas, um besser nachdenken zu können. Ich esse oft so lange, bis ich zu einem Ergebnis gekommen bin.
Ich esse, wenn ich nicht mehr weiter weiss, rastlos und ratlos bin. Ich musste umsteigen und durch eine Unterführung.
Treppen.
Seit Jahren habe ich damit, immer wieder schwächer und stärker, meine Probleme. Ich habe Panik davor, eine Stufe zu verpassen und zu fallen.
Das schreckliche ist der Schreck!
Ich habe dann das Gefühl, mich bis ins Mark zu erschrecken, so, dass ich mich fühle, als würde ich gleich losheulen. Weil ich das schlecht bringen kann, werd ich wütend, die berühmte Anspannung zwischen 70-100.
Hochstressbereich.
Ich konzentrierte mich auf die Füße eines Kindes, das vor mir lief. Und schaffte es dann doch, eine Stufe zu übersehen. Ich knallte auf das kleine Mädchen und begrub es unter mir. Ich heulte, das Mädchen nicht.
Ich heulte bloß, weil ich mich erschrocken hatte, weh tat mir nichts.
Die Mitreisenden waren total fürsorglich und ich lachte und lächelte ganz schnell wieder, weil es in dem Alter seltsam ist, zu heulen, wie ein Kind.
Und dann lachte und heulte ich gleichzeitig.

Als ich im Zimmer ankam las ich erstmal die Packungsbeilage und schluckte dann 2 Tabletten, obwohl ich Angst hatte. Kerstin hatte auch 2 geschluckt um ohnmächtig zu werden.
Ich kannte das Medikament ja nicht. Ich fuhr Straßenbahn.
Das hatte ich schon früher so gemacht:Wenn ich noch nicht ins Krankenhaus wollte, um keine Kohle zu bekommen, aber Angst hatte, dass es mal schnell gehen könnte.
Das ist nie passiert.
Ich war immer selbst in der Lage, entweder ins Krankenhaus zu gehen oder beim Notruf anzurufen.
Kontrolle über den Kontrollverlust ist typisch für mich.
Ich wollte nicht unter dem Schlagwort „Tablettenintoxikation“ aufgenommen werden und überlegte, dass ich den Sturz ja nutzen könnte.
Gelogen war das nicht – ich war tatsächlich mit dem Kopf aufgeschlagen, mit anschließenden Kopfschmerzen. Ich ging in den Jugentreff, schon mit etwas wackligen Beinen.
Früher hatte ich auch immer wacklige Beine, da lernte ich aus der Erfahrung, was gut gegen Kreislaufprobleme hilft.
Gegen die Empfehlung sah ich immer auf den Boden und spannte den Bauch an.
Das half mir jetzt.
Ich erzählte einem anderen von dem Sturz, der Krankenpfleger werden wollte.
Für den Fall, dass es schnell ging, würde er erklären können, was los war.
Zu meiner Enttäuschung wurde die Wirkung wieder schwächer.
Ich schrieb Kerstin und sie empfahl mir, noch 3 zu nehmen. Dieses Medikament ist sehr stark und man nimmt als Patient eigentlich nur eine halbe Tablette beim ersten Mal. Und selbst da sollte man sich laut Packungsbeilage hinlegen.
Ich war nicht Erkrankt und mir passierte nichts, obwohl ich es das erste Mal nahm und so überdosierte.
Frust machte sich breit. 10fache Überdosierung. Und Wut auf diesen Körper, der nicht berechenbar bar, tat, was er wollte. Nicht das tat, was ich wollte, wie früher schon so häufig.
Es musste doch etwas passieren!!!
Schließlich spürte ich die Wirkung doch stark und ging in die Notaufnahme, wo ich meine Treppenstory erzählte.
Ich fror und dennoch war mein Blutdruck eher erhöht, als zu niedrig.
Paradoxe Wirkung?
Ich fand es spannend, zu spüren, wie die Wirkung einsetzte und mein Körper reagierte. Laufen konnte ich nur noch, wenn ich mich festhalten konnte.
Doch im Gegensatz zu den früheren Tabletten, die ich missbraucht hatte, blieb mein Kopf klar.
Und ich fand es blöd, auf dem Monitor zu sehen, wie sich meine – mittlerweile doch gesunkenen – Werte normalisierten.
Keine Ohnmacht.
Ich wünschte mir die kontrollierte Ohnmacht, ich wollte nicht, dass mir etwas passiert!
Ich wollte bloß wissen, wie es sich anfühlt. Dann musste ich zur Toilette und der Kreislauf war in Ordnung, bis ich zu Toilette kam. Als ich aber wieder aufstand, gaben meine Beine doch nach.
Sonst war alles okay.
Nicht gerade das, was ich mir erhofft habe.
Die Nachtschwester rief bei einem Arzt an, weil die Patientin neben mir mit dem Blutzucker ständig abrauschte und nicht konstant ansprechbar war.
Mir fiel Silvi ein, die sich mal Insulin besorgt hatte, um sich das Leben zu nehmen.
Am nächsten morgen erzählte die Patientin, sie habe sich absichtlich zu viel Insulin gespritzt.
Mich hat das total fertig gemacht. Was genau kann ich nicht sagen. Die Traurigkeit in ihrer Stimme. „Ich will nicht in die Psychiatrie“ sagte sie.
„Na, jetzt kommen Sie erstmal mit zu uns“ sagte die Schwester der Intensivstation. Ich kam auf die normale Chirurgische Station.
24 Stunden wollten sie abwarten, bis ich gehen durfte.
24 Stunden nach dem Sturz und ich war schon morgens genervt und verschob die Uhrzeit mal eben von 16 auf 14 Uhr, wo ich dann auch gehen durfte.
Nun war ich erst recht mies gelaunt. Die Wut, der Frust, dass mein Verhalten nicht die erwünschte Konsequenz nach sich zog.
Ich wusste, dass ich in die Psychiatrie käme, würde ich noch einmal kommen.
Und ich ahnte, dass die Mitarbeiter durchschauen würden, dass auch am Vortag Tabletten mit im Spiel waren.
Ich hasse die Psychiatrie! Als ich mit 18 Jahren dort anfing, Dreh-Tür-Patient zu werden, wurde mit mir ein Vertrag aufgesetzt, wonach ich immer 3 Tage bleiben muss, wenn ich wegen einer Tablettenvergiftung aufgenommen wurde.
Doch der Drang war zu groß als jede Vernunft. 15 Tabletten hatte ich noch und in einer eh-egal Haltung heraus schluckte ich diese 6 Stunden nach meiner Entlassung.
Mich belastete das Erlebnis mit der Frau und dem Insulin immernoch, die Sache hing mir verdammt nach und ich wollte auch, dass mal wieder richtig was passierte!
Wie weit ich es mit meinem Körper treiben konnte. Ich wollte die Grenze überschreiten.
Mein Körper – mein Experimentier-Testhäschen. Um zu sspüren, dass ich die Kontrolle über meinen Körper habe.
Hinterher fühle ich Triumph und Genugtuung, aber auch die große Erleichterung, wenn die Sache wieder einmal gut ausgegangen ist.
Ich überlebt habe und keine dauerhaften Schäden habe.
Dieses Gefühl ist überwältigend gut. Dann fühle ich mich stark, unbesiegbar.
Besiegen will mich keiner, aber der Sieg über den eigenen Körper. Natürlich kann man bei solchen Aktionen grundsätzlich nur verlieren, nur leider fühlt es sich anders an.

Ich ging also wieder in die Notaufnahme und sagte das mit den Tabletten.
Die übliche Maschinerie begann – Blut abnehmen, Blutdruck messen, Monitor und Zugang. Zusätzlich Kohle.
Intensivstation.
Das wunderte mich, ich war klar im Kopf und fühlte mich nun auch nicht hundsmiserabel. Doch in diesem Krankenhaus kommt man schnell auf die Intensiv. Anders als in dem Stammkrankenhaus von damals. Da waren Luisa und ich oft in viel schlechterem Zustand, auf die Intensiv kamen wir deswegen aber nie.
„Vorsichtshalber. Falls was passiert um schnell reagieren zu können“ hieß es.
Der Oberarzt kam. Was wir redeten, weiss ich nicht mehr. Ich spürte, das mit der Infusion etwas nicht stimmte. Ich hatte es einmal erlebt, dass mir die Infusionsflüssigkeit ins Gewebe der Hand gelaufen ist, so fühlte es sich an. Meine Venen waren wohl nicht die Besten, die Schwester gab es direkt an den Oberarzt weiter.
In der Infusion war etwas enthalten, was wie ergänzend zur Kohle haben muss. Um 2 Uhr bekam ich nochmal Kohle zu trinken, sonst schlief ich.
In der Visite sagte ich nochmal, was passiert war, dann durfte ich heim, weil ich auch sagte, ich sei wieder gut drauf. „Das glaub ich Ihnen sogar“ sagte die Ärztin spontan.
Ich musste dann noch zu meinem Psychiater, der abklären sollte, ob ich heim durfte und ich durfte.
Der kannte das ja schon von früher und ich sagte ihm, dass es einmalig gewesen war.

Wie lang das anhielt, weiss ich nicht mehr. Jedenfalls kam es nach einer großen Krise wieder zu Intoxikationen. Ich nahm dann auch wieder die „Alten“ Tabletten.
Weil ich sie kannte und die Wirkung auf meinen Körper.
Vertrautes, bewährtes.
Wenn die Tabletten aus meinem Körper abgebaut waren, war auch die Anspannung weg. Kein rotieren um mich selbst und die immer selben Probleme.
Frieden in mir.

Wieder Ambulanz mit einer Mischintox.
Im Wartezimmer war unheimlich viel los und ich wurde nervös. Die Tabletten wirkten bereits und ich spürte schon ziemlich die Wirkung.
Mundtrockenheit und Gangunsicherheit.
Ich klingelte und sagte, ich müsse noch etwas sagen.
Eine Schwester, die ich ziemlich idealisierte, hatte Dienst. „Sie wollten was sagen?“ fragte sie und ging mit mir rein. „Ja, ich hab Tabletten genommen. Es tut mir Leid, dass ich schon wieder hier bin“ sagte ich verzweifelt.
„Mir tut es leid für Sie!“ entgegnete sie und telefonierte.
Mit dem Giftnotrruf denke ich.
„Ja, sie ist bei uns bekannt – sie ist n Borderliner“
Das macht mir immer ein komisches Gefühl, und das sind dann auch die Leute, die ich idealisiere.
Gradlinig und klar.
„Mir war nur übel“ sagte ich.
Darum die Überdosierung.
Blut abnehmen, Blutdruck messen,
Monitor und Zugang. Kohle nicht, dafür war es zu spät. Ich halluzinierte zimlich.
Durfte am nächsten Tag gehen. Mir war schon früher psychisch übel gewesen. Ich kenne Techniken, mit denen ich diese Zustände abschwächen kann, doch als ich einmal mit den Tabletten angefangen hatte, war es, als hätte die Technik nie funktioniert.
Ich litt unbeschreiblich und rannte davon, statt mir Hilfe zu holen.
Nach einer intox mit diesen Tabletten war mir oft 5 Tage lang nicht übel. 5 Tage sind LANG!
Mein hb sei zu tief, läge bei 8.
Sonst alles okay.

Hin und wieder verletzen, hin und wieder Krankenhaus.
Es ist so irreal. Habe das Gefühl zu träumen und das über Tage. In der Nacht bin ich so in innerer Alarmbereitschaft, dass ich kaum schlafe.
Schaffe es dann auch immer häufiger nicht ohne Tabletten oder verletzen. So kommt ein Krankenhausaufenthalt nach dem anderen, ohne dass ich realisiere, was abgeht.
Am Wochenende bin ich bei meiner Mutter. Ich fühle mich wie im falschen Film, der mir Panik macht.
Sage meiner Mutter, dass ich wohl in die Psychiatrie sollte. Erinnern kann ich mich daran nicht, sie hat es mir erzählt.
Nehme im Rausch Tabletten und wähle selbst den Notruf.
„Die kenn ich!“ sagt die Sanitäterin, als sie mit ihrem Kollegen ins Haus kommt. Sie ist lieb zu mir – beide sind es. Meine Mutter küsst mich, dann gehe ich. Dem Sanitäter erzählt sie, ich sei schon länger in einer starken Krise, hätte den Ausbildungsplatz verloren.
Wir wohnen in einer kleinen Stadt, und ich bin wohl eher jemand, an den man sich erinnert. Jedenfalls mit dieser Art von Erkrankung.
Sie hat mich schon einmal gefahren. Das war knapp 2 Jahre her.
„Da bist Du uns nämlich zusammen gebrochen“ sagt sie. Sie klingt besorgt und scheint heilfroh, mich ohne Zwischenfall der Intensivstation übergeben zu können.
Die 2 Jahre davor hatte ich einen Krampfanfall bekommen, als sie mich – schon im Krankenhaus angekommen – auf die Toilette begleitete.

48 Stunden Intensiv, ohne Zwischenfälle. Meine Mutter besucht mich und wir spielen Karten.
Sie erkennt eine Krankensschwester wieder.
Als ich vor 2 jahren schon einmal auf der Station lag, hatte diese meine Mutter gefragt, warum ich krank sei. Sie erzählte meiner Mutter, ihr Sohn wäre ebenfalls Borderliner.
Diesmal spricht meine Mutter sie an. Sie war ihr dankbar, für die Offenheit vor 2 Jahren. Die Schwester wirkt pikiert. „Mein Sohn ist kein Borderliner mehr“ sagt sie nur und wendet sich ab.
Ich werde in die psychiatrische Ambulanz gefahren, 70 kilometer weit, in der ich erzähle, dass es ein einmaliger Rückfall nach 2 Jahren war und darf gehen.

Ich bekam nichts hin, was ich mir vornahm. Alpträume nachts, und Panikattacken/Anspannungszustände tagsüber. Wieder Tabletten, wieder Krankenhaus. Mein Pullover wird zerschnitten und keiner erklärt mir, wieso, weil ich die ganze Zeit ansprechbar bin.
Intensivstation.
Psychiatrie und nach 3 Tagen gehe ich.

In der Schule konnte ich eines Tages nicht mehr. Ich war körperlich so geschwächt, durch den hb. Ich war totenbleich und kam kaum zu genug Atem.
Da ich meine Arbeit verloren hatte, wurde meine Stelle neu besetzt. Das war schlimm für mich, riss mir den Boden unter den Füßen weg.
Ich mochte sie. Ich wäre gern gewesen wie sie. Auch meine ehemalige Mitauszubildende hing nun nurnoch mit ihr rum und nicht mehr mit mir.
Der Selbstwert lag bei null.
Kein Wunder, dass sie Dich loswerden wollten!
Wie Du aussiehst!
Eine breite Narbe machte mich irre!
Wenn ich sie ausschneiden würde und es neu vernähen ließe, müsste es schmäler werden, überlegte ich.
Es KONNTE nur besser werden!
Ich ging nach hause, verletzte mich.
Ging mechanisch zum nähen.
Eh alles egal.
Ich kannte die Ärztin nicht. „Ich wollte eigentlich nur, dass die Stelle besser aussieht“ sagte ich.
„Naa, wenn ich bös wär, würd ich jetzt sagen, da müssen Sie noch an Ihrer Schnittführung arbeiten“ erwiderte sie. Ich kicherte, entspannte mich.
Sie musste dann in den OP und eine andere sollte das Nähen übernehmen.
Auch diese kannte ich nicht, sie schien mir gestresst.
„Und wenn Sie zuhause sind schneiden Sie sich den anderen Arm auf oder was!?“
Ich kenne es schon von anderen Menschen, dass jedes Wort der Deeskalation nur neuen Zündstoff gibt, also schwieg ich und es half.
Sie meinte, ich bräuchte eine Therapie. „Sie sind schwer krank!!!“
„Ich weiss“ sagte ich um sie runter zu bringen. Wieder Erfolg.
Ich bin wohl talentiert dafür, schimpfende und wütende Menschen runter zu bringen. Ich musste häufig wachsam sein, meine Umwelt beobachten und nach Menschen Ausschau halten, die mir gefährlich werden konnten.
Damit habe ich leider VIEL Erfahrung!
Ich handle dann instinktiv und es klappt.
Früher hing von meinem Erfolg viel ab.
Scheiterte ich damals, waren die Folgen immer verheerend.

Ich fragte sie, ob es möglich wäre, eine alte, jedoch offene Verletzung auszuschneiden und neu zu vernähen, „aus medizinischer Sicht? Weil dann wärs ja auch zu“ versuchte ich es.
„Sie schneiden da gar nicht mehr dran rum – jetzt reichts mir aber!“ kochte sie wieder hoch.
„Ich will Sie nicht verärgern“ beschwor ich sie. Fühlte mich wie so häufig verängstigt, traurig und fertig. In mir selbst überfordert.
„Ich würde meine Seele verkaufen, wenn diese Verletzung zu wär!“
Sie nähte meinen Arm und ständig rissen die Fäden aus. Ich hatte das Gefühl, ihre Anspannung körperlich zu spüren und somit stieg auch mein Stresslevel immer höher.
Als ich endlich draußen war, fühlte ich mich zittrig und panisch.
Weinerlich.
„Es ist vorbei“ versuche ich dieses innere Kind zu beruhigen, doch es klappt nicht.
Möchte schlafen, doch es klappt nicht.
Blutverlust erschöpft. Nach einer Verletzung schlafe ich gut und angstfrei.
Ein Grund mehr, die Korrektur/Verschönerung mal wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Den hb blende ich mal lieber aus.
Ich bekomme Schiss, weil ich dabei viel Blut verliere, aber ich kann nicht aufhören!
Bin noch nicht fertig.
Also rufe ich beim Notruf an und lehne meine Zimmertür an, falls ich umkippe. Ich kippe nicht um – schaffe es sogar die Treppe runter.
Zwei Sanis stehen vor der Tür.
„Tut mir leid, dass ich angerufen hab. Es hat nur so geblutet, und ich hatte Angst, dass ich umkippe“ meine ich. Ich halte mich total geschwächt am Türrahmen fest.
„Schaffen Sies noch zum Auto?“
„Ja“
Dem anderen Sani ist die Sache zu heiß, er holt für die 5 Meter den Rollstuhl. Ohnmächtig werde ich nicht, jedoch trübe ich immer wieder so stark ein, dass ich keine Kraft habe, zu kommunizieren.
Kurz vorm Krankenhaus lichtet es sich wieder und ich gebe meine Personalien etc. an.
Dann überrollt mich wieder die Erschöpfung und Übelkeit. Diesmal körperliche.
Ich werde verödet und bekomme es gar nicht so richtig mit. Ich sage das mit dem hb und der Arzt meint zur Schwester, sie soll bei mir Blut abnehmen.
Mein Zustand verbessert sich wieder und der Arzt sagt zur Schwester, Blut abnehmen sei doch nicht nötig. Das sehe ich anders, aber es ist mir egal. Schließlich wird es wieder schlechter und ich hänge am Tropf.
„Ihr hb ist bei 6,9“ informiert mich der Doc, als es wieder besser wird.
„Mist!“
„Und ich würd Sie gern über Nacht dabehalten“
Das hab ich schon kommen sehen. Obwohl der Heimweg geschätzt 400 Meter umfasst, hätte ich dies nie geschafft! Ich komme auf die normale chirurgische Station.
Aus „über Nacht“ werden 2 Tage in denen rein gar nichs passiert. Ich bekomme nichtmal Eiseninfusionen.
Es wird überlegt, mir Blut zu transfundieren, aber dann doch nicht.
Am Morgen des zweiten Tages gehe ich dann.
Bin nicht gerne im Krankenhaus!
Meine Anspannung steigt sowieso seit einem Tag wieder kontinuierlich deswegen, also nichts wie raus!
Schule!
Ich will in die Schule!
Aber mir ist übel ohne Ende.
Wenn Du Tabletten nimmst geht die Übelkeit weg und Du kannst in die Schule.
Dieser Gedanke scheint eine säuselnde Stimme zu haben, beruhigend, vertrauen erweckend.
Als würde mich jemand an die Hand nehmen und sagen „Komm mit, ich helf Dir. Ich pass auf Dich auf und hab Dich lieb“
Ich falle immer wieder auf sie herein.
Diesmal lande ich nach 2 Tagen erinnerungslosem Krankenhaus doch noch in der Psychiatrie. Trotz Magensonde mit Kohle ging es 2 Tage, bis ich wieder klar war. Nun bekomme ich doch eine Eiseninfusion und komme im Anschluss in die psychiatrische Ambulanz.
Ich schalte mein Handy ein. Ein Anrufversuch.
Aus dem Krankenhaus, in dem ich so oft war.
Ich rufe zurück. Es ist die Ärztin, die so unhgehalten war, als sie mich versorgte.
Sie habe sich über die Krankheit informiert und ich solle mich doch mal in der psychiatrischen Ambulanz melden, die kennen sich damit aus. Und wenn ich Hilfe bräuchte bei der Therapeutensuche solle ich sie anrufen.
Ich war sprachlos vor Rührung.
Das hätte ich nie erwartet! Voller Dankbarkeit meinerseits beendeten wir nach 8 Minuten das Gespräch.
Dann ging es wieder stationär.
Ziemlich unangenehm, so als Drehtür Patient.

Ich blieb 11 Tage auf der offenen Station. Die letzte Tablettenvergiftung war dort Ende Januar.
Mal wieder wurde die Übelkeit unerträglich und ich wollte an die frische Luft.
Die Tür war zu und ich sollte warten, da ich Oberarztgespräch hatte.
Ich konnte aber nicht warten und fragte, ob nicht jemand mit mir tauschen könne.
Nein, behaupteten die und ich wurde komplett hysterisch. „Ganz ruhig“ sagten die und ich schrie „Ja klar – Ihnen ist ja auch nicht schlecht!“
Ich hatte das bekannte Gefühl, mich körperlich aufzulösen.
Bad. Dusche.
Ich hielt meinen Kopf so lange unter das kalte Wasser, bis ich Kopfschmerzen bekam.
Dann war es besser.
Ich setzte mich in mein Bett und fühlte mich wie eine ängstliche 4jährige.
Die Pfleger und der Oberarzt merkten das natürlich und gingen dann wieder. Ich rollte mich zusammen und schlief ein.

3 Tage später intoxikierte ich mich.
Filmriss.
Als ich meinte, denken zu können, wollte ich unbedingt etwas intelligentes sagen um klar zu machen, dass ich okay war. Zwei Pfleger standen in der Tür und ich sagte mit voller Überzeugung: In 2 Tagen ist Nikolaus!
Nee, sagten die, wir haben schon Januar.
Mist!
Sie hatten die mittlerweile schon 6 Wochen alte Verletzung gesehen und holten einen Chirurgen dazu.
„Echte scheiß Krankheit, die Sie da haben!“ stellte er fest.
Oh mann, wie sehr das zutraf.
„Ja, das find ich auch“ ich lachte ein bisschen.

Zurück auf Station ging es auf die Geschlossene. Mein Horrorort – und da ich kein Zimmer hatte, war ich dem Wahnsinn hautnah ausgeliefert. Der Oberarzt sollte entscheiden, wo ich hin kam.
Zwei Stunden wartete ich. Es war ein AvD, der kam.
Der wollte mich auf der Geschlossenen.
Ich versuchte es erst ruhig und wurde dann sarkastisch. Es ist ein furchtbares Gefühl, jemandem auf Gedeih und Verderb ausgeliefert zu
sein!
Willkommen in der Psychiatrie!
Glück hatte ich dann doch noch – der Oberarzt kam etwas später und gab grünes Licht.

Dennoch – ich hatte die Nase mal wieder endgültig gestrichen voll!
Ich hatte es satt, mir selbst derartig ausgeliefert zu sein, ich hatte keine Lust mehr, ständig in Todesangst zu leben. Ich hatte kein Interesse daran, nach 3 Jahren ohne Suizidversuch wieder dort zu landen – denn so, wie das Jahr begonnen hatte, würde es innerhalb kürzester Zeit subjektiv nur noch diese Lösung all meiner Probleme geben.
Ich entließ mich mit einem anderen im selben Alter.
Er sagte „Ich hab keine Lust mehr auf Psychiatrie, ich bin nicht mehr suizidal und ich will mein Leben endlich wieder selbst in die Hand nehmen“
Wow, dachte ich. Meine Worte!

Februar intoxikationsfrei, nahm ich mir vor!
Das klappte.
März verletzungsfrei, nahm ich mir vor.
Das hielt ich 21 Tage durch. Einen Tag später rief ich in einer Klinik an, um mich für das DBT Programm anzumelden.
Es war mein 2. stationärer Aufenthalt mit DBT. Jedoch in einer anderen Klinik als die vorherige – lediglich, weil die in dieser Zeit kaum Wartezeiten hatten.


Eigenverantwortung

21. April 2013

Grad eben hatte ich so einen Redeflash bei meinem Dad.
Ich meinte, ich würd das Schneiden arg vermissen, zum Teil.
„Wie das!? Ich dachte, dir würds hier so gut gehen?“
Ich meinte, Ja, aber der Suchtdruck bleibt trotzdem und mit dem werd ich ja wohl noch ein paar Jahr(zehnt-)e? das Vergnügen haben.
Miss Stellinchen Pawlow – gestatten.

Was mir so gut tut, ist das Gefühl, die Verantwortung für mich zu haben.
Ich erzählte von der Klinik letztes Jahr.
Da gab es Bücher, die im Stationszimmer standen über Borderline uÄ und wir durften sie NICHT lesen. Ich habe gefragt, warum.
Der Oberarzt habe das so festgelegt, hieß es. Weil es manche Patienten triggern würde.
Aha, dachte ich.
Ich empfand es als Bevormundung. Depressive durften Bücher über Zwänge lesen, aber Borderliner nichts über ihre Sachen und Traumageschichten.
Ich sagte, ich würde das in der nächsten OA Visite anzusprechen. „Das bringt nichts“ meinten die Mitpatienten. Der Älteste war Ende 40 und beschwerte sich grundsätzlich darüber, nicht ernst genommen zu werden/bevormundet/wie ein kleines Kind behandelt zu werden.
„Das passiert mir nicht“ dachte ich.
In der nächsten Visite hielt ich dem einen Vortrag, dass ich freiwillig gekommen bin, und es gewohnt bin, eigenverantwortlich zu handeln.
Dass ich genau weiß, was mich triggert und was nicht und dass DBT doch auch darauf basiere, die Patienten aus fundierten Quellen über ihre Krankheit zu informieren.
Wo, wenn nicht in den Büchern einer Klinik, wäre der Rahmen dafür?
Der OA grinste mich an – laut Mitpatienten eine absolute Seltenheit – sagte „Alles klar, Frau K.“ und die Sache war gegessen.
Jedenfalls vorerst. Hinterher hieß es, das gälte als Stationsgesetz, und sogar der OA hätte da kein Mitspracherecht.
Trotzdem war das Gefühl klasse!
Mit der Klärung meines hb’s war es das Selbe. Ich spürte, wie ich zunehmend fühlte, und ich das nicht aushielt.
Mit dem hb verhält es sich wie mit Untergewicht: Der Körper spart, wo er kann, energieverschwender wie Gefühle verkümmern. Mit einem hb von 6 fühlt man deutlich weniger intensiv – eher wie in Watte gepackt.
Man empfindet eher abgestumpft-sein – „alles scheiße“ ohne dem Impuls, sich etwas anzutun.
Aber auch die Freude nimmt ab, einfach alle extrem „anstrengenden“ Gefühle.
Die kamen nun wieder und zwar nicht so unauffällig, wie sie sich ausgeschlichen hatten sondern sie traten mir die Tür ein KNALL, da sind wir wieder und ich drehte vor Anspannung am Rad. Vor dem Aufenthalt dachte ich, ich könnte mit Gefühlen umgehen und sie zuordnen – doch diese Intensität übertraf alles erträgliche!
Ich wollte den hb wissen, um abschätzen zu können, wie schlimm es noch werden würde.
„Der ist normal“ hieß es.
Das reichte mir nicht – wofür sollte ich dann noch Eisentabletten schlucken!?
Ich hielt dem OA wieder einen Vortrag und er meinte, er würde befürchten, ich bekäme „Handlungsimpulse“, den wieder zu senken, wenn ich die genaue Zahl wüsste.
Klar, hat er mir natürlich nicht einfach so sagen können. Ich meinte, ich wäre keine Schizophrene oder Psychotikerin, ich wäre durchaus in der Lage, mich klar auszudrücken – und was das denn bitte für ein Konzept wäre, die Patienten in der Klinik für so Unmündig zu halten, dass man ihnen nicht zutrauen würde, klar zu sagen, was gefährlich werden könnte und was nicht?

Kurz – ich bekam die Zahl.
12
Die Tabletten sollte ich noch weiter schlucken, um die Eisenspeicher aufzufüllen.
Danach wurde es leichter, die Gefühle auszuhalten.
Ich dachte „Okay, Stella – das ist LEBEN – so fühlt es sich an, und die anderen Menschen kommen damit klar – also halt dich ran!“

Im Januar diesen Jahres wurde ich wieder eingewiesen.
„Je besser Sie diese Symptomatik im Griff haben, desto seltener werden andere Leute die Verantwortung für Sie übernehmen müssen“ sagte der chirurgische OA schlicht zu mir.
Ich beschwerte mich zwar, aber als die Sache fest stand, machte ich mit.
Ich sagte, ich könnte sie ja verstehen und täte an ihrer Stelle das selbe…

Mir GEFÄLLT mein lovely Ticker von Tag zu Tag besser… 😉

Tja, ich wünsche euch einen super Start in die neue Woche und vielen Dank, dass es euch gibt!!!