Barrieren

26. Oktober 2012

„Excusez-ich han ä frog.“
Ulli sieht aus, als würde es kräftig im Kopf arbeiten.
„Ja?“ frage ich. Während der Patient sein Anliegen vorbringt, wendet sie sich ab.
Dieser ältere Herr benutzt keine 3 Sprachen, um sich für einen Frosch zu entschuldigen – Nein, er kommt aus meinem Geburtsland – der Schweiz.
Da hat es Ulli aus Thüringen nicht leicht.

Ihr Umgang mir gegenüber ist nach wie vor bissig, geduldig, freundlich, sarkastisch und zur Verzweiflung treibend.
„WAS will er!?“ fragt sie mich, als er wieder im Warteraum Platz genommen hat.

Barrieren.
In diesem Fall Sprachbarrieren.

Gegen abend kommt Tina vorbei.
Die „Bei Tina hat das alles immer schneller/besser geklappt“ Tina.
Sie ist 22 und Ulli umarmt sie freudig.
Das also ist Tina.
Eine bildhübsche, anmutige junge Frau mit Ehering, die mit 16 Jahren in der Praxis ausgebildet wurde.
Ich fühle mich seltsam leer und unendlich traurig.
Die große, bodenlose Traurigkeit. Ich wäre gern wie sie. Ich wäre gern, wie Ulli mich gern hätte.
Meine Andersartigkeit lässt mich fühlen, wie abbgezäunt, eingesperrt, ummauert.
Auch Natalie kommt noch als Patientin. Sie war auch eine Kollegin.
Jedem Patienten und jeder Ex Mitarbeiterin verhält sie sich so offen, freundlich und humorvoll.
Bei mir…

Mir fällt auf, dass es mir einfach keinen Spaß macht.
Ich gehe nicht gern zur Arbeit und muss mich beherrschen, nicht ständig auf die Uhr zu sehen…