et cetera pp

16. Juni 2014

Schneidedruck.
Ob ich mit dem Thema immer besser klar komme.. Ich hoffe es.
Es fühl sich nicht so an, irgendwie. Mal besser, mal sehr gut, mal schlechter, mal sehr schlecht.
Momentan habe ich das Gefühl, als sei es niemals weg gewesen. Als wären die 17 cleanen Monate nicht.
Der Kampf scheint derselbe, wie kurz nach dem Umzug und das macht mich wahnsinnig.
Diesen Kampf zu führen ist unmenschlich und scheint wieder so hoffnungslos.
Da kommen irgendwo schon Suizidgedanken hoch. Eher wegen dem „Ich will das nicht aushalten müssen, ich kann das nicht aushalten“
Heute morgen habe ich mir die Arme rasiert. Und links habe ich so kleine Hibbel. Ich wollte die wegmachen und wusste, es würde bluten.
Und – zack war ich wieder voll drin und habe nur dieses Blut angesehen, während die Welt mir mehr und mehr entglitt.
Es gab nur noch mich, das Blut und diesen Rasierer.
Der Kopf war noch ein bisschen an und es blieb bei diesem Kratzer, aber die Verzweiflung ist schlimm aushaltbar.
„Die Erlösung so nah“
Am Hadern – warum gibt das Narben und wieso darf ich das nicht machen?
Es wäre schön, wenn es eine so anerkannte Sache wäre, wie sich zu Tatowieren.
Ich fühle mich so eingeengt, wie in einem Korsett, das mir die Luft raubt. Und das zu durchschneiden, das wärs…
Die Thera habe ich gefragt. Sie kann EMDR, das ist mega gut!
Das nächste Mal bringe ich eine Situation mit und wir bereiten das vor.
Dann beim nächsten Mal machen wir eine Doppelstunde und versuchen das.
Sie sagte, sie hätte es nicht von sich aus angesprochen, weil sie sich Sorgen macht und fragt, ob es in einer Klinik nicht besser für mich wäre.
Aber ich sagte, wir schauen einfach. Ihre Sorge ist, dass mir das so tagelang nachhängt…
Jetzt ist es grad einfach so mördermäßig schlimm, weil ich meine Tage habe.
Aber so schlimm war es gefühlsmäßig ewig nicht. Oder noch nie.
Aber das kommt mir jedesmal so vor, also ist die Intensität jedes Mal die gleiche scheiße…
Wegen dem EMDR sagt die Krankheit dann auch wieder „Schneid dich doch, wenn du eh Traumatherapie machst, hört das hinterher von ganz alleine auf. Dann brauchst du jetzt nicht zu kämpfen“
Aber der Druck verschwindet ja nicht, sogar wenn alles komplett aufgearbeitet ist. Die Gewohnheit/Sucht bleibt ja unabhhängig davon.
Alles eine Scheiße…


30. Mai

30. Mai 2014

Die Schule läuft weiterhin weitestgehend gut.
Und auch familiär ist alles okay. Ich hatte keinen Selbstverletzungs oder Intoxrückfall und bin noch immer in Therapie.
Alle zwei Wochen.
Wir sprechen über aktuelle Themen, die Schule, Politisches.
Alles geht seinen Gang.
Und auch nicht.
Die innere Mauer, den Stein des Traumas, trage ich weiterhin täglich in mir. Oft ist er nicht spürbbar, oder ich kann ihn während des Aktionismus verdrängen. Spürbar wird er in banal scheinenden Situationen.
Das Lesen von Texten in der Schule, in der Gewalt dargestellt wird. Schreiende Männer, Kinder. Schreiende und verängstigte Charaktere in irgendwelchen Filmen.
Dann kippe ich weg. Werde starr, falle in die Regression. Wenn es gut läuft.
Wenn es schlecht läuft kommen alte Gedanken und Gefühle hoch. Ich verstehe und begreife dann nicht mehr, dass ich 23 Jahre alt bin. Der Kopf weiß es, aber die Innenwelt stimmt nicht mehr und auch die äußere wird verzerrt. Als ich meinen allerbesten Freund Michael besucht habe, konnte ich ihm eine schlimme Situation erzählen.
Mit vielen Stockungen, aber es ging. Weil er mich so fest umarmt hat, dass sogar ich mich noch spüren konnte und mich somit hier hielt. Ich dachte, ich hätte diese Situation überwunden. Am Montag erzählte ich sie der Thera.

Es wieder besonders schlimm. Ich fühlte mich wie konserviert, gefangen in dem früheren Körper. Die ganze Zeit kommentierte die innere Stimme „Ich kann nicht fassen, dass du noch immer in dieser verdammten Welt rumhängst!
Hättest du dir bei deinen Suizidversuchen nicht ein bisschen mehr Mühe geben können?
Mann, jetzt bist du 23, der ganze Scheißdreck hätte doch vor 5 Jahren längst beendet sein sollen.
Was machen wir denn jetzt?“

Ich ging in die Schule mit den ganzen eigentlich vertrauten Sachen und hasste alles.
Alles ödete und nervte mich an, ständig musste ich mich beherrschen nicht einfach irgendwo runterzuspringen, oder mich extrem zu intoxikieren, mit offenem Ende.
Ich schaffte den Bezug hierher kaum. Dachte „Hey, du hattest doch diese wahnsinnig schönen Tage“ aber es blieb nichts und verhallte nach irgendwohin.
Dennoch hat mich diese andere Kopfstimme davon abhalten können, wirklichen Mist zu bauen…
Die Thera sagte, wir bräuchten über diese Themen nicht zu reden.
Aber mir ist mittlerweile klar, dass ich daran nicht vorbei komme.
Ich bin seit 10 Jahren immer wieder in Therapie, ohne das sich innerlich großartig etwas verbessert hat. Am Montag war es mir nicht so bewusst. Ich war komplett verwirrt und habe mich gefragt, wie ich weitermachen soll.
Zum quatschen brauche ich nicht zu einer Therapeutin zu gehen, dazu habe ich andere.
Außerdem ist das ja auf Dauer auch kein Zustand.
Auch sie wusste nicht, was der Weg wäre.
Ich sagte, muss ich daran gehen oder nicht?
Werde ich irgendwann alleine damit leben können?
Wird eine Art von Gewöhnung eintreten?
Auch sie wusste es nicht. Sagte, dass solche Grauen und Schrecken manchmal auch besser irgendwo aufbewahrt würden und man sich an sie gewöhnen könne. Aber dass sie auch nicht wüsste, was für mich gut wäre.
Ich sehe es nun klarer. Ich bin traumatisiert und werde das ohne Hilfe nie im Leben dauerhaft und gut in den Griff bekommen.
Was ich brauche ist wirklich eine Fachfrau/ ein Fachmann, der mir sagt, wie es geht.
Wie man Traumata vernünftig aufarbeitet um eines Tages wirklich Ruhe zu haben und es abhaken zu können.
Ich habe mich im Kopf damit abgefunden, schlimmes erlitten zu haben. Aber der Körper nicht. Er versteht nicht, dass es vorbei ist, und das ist der Knackpunkt.
Die Thera ist Borderline Expertin, aber ich habe kein Borderlineproblem als Kern. Wir haben es versucht, schwierige Themen anzusprechen, aber das kam immer von mir. Ich kippte immer weg und der restliche Tag war im Eimer, manchmal auch mehrere.
An den Inhalt kann ich mich sowieso nicht mehr erinnern. Aber ich weiß, dass es nicht mal die „richtig schlimmen“ Sachen waren.

Ich werde die Thera das nächste Mal wegen Traumabearbeitung ausfragen.
Ich habe einige Dinge, um wieder ins hier und jetzt zu kommen. Aber häufig vergesse ich dann eh wieder, was gesprochen wurde.
Ich weiß nur, die Themen waren „irgendwie gefährlich für meine innere Sicherheit – also weg damit!“

Ich war am Tag danach noch/wieder? so verwirrt, ich hatte Medis in der Tasche und hätte die fast genommen.
Nur 10, aber trotzdem…
Ich wollte unbedingt die Mathearbeit mitschreiben. Also habe ich eine Schlaftablette vor der Schule genommen. Es hat mich nicht umgehauen, ich habe die Wirkung gar nicht gespürt.
Obwohl zum schlafen sonst eine Halbe reicht :kopfkratz:
Nach den ersten Doppelstunden ging es dann wieder, weil ich während einem Film präventiv raus bin und zufällig 2 Mädels in der Abivorbereitung helfen konnte.
Das hat mich geerdet.
Die Mathearbeit war genial.. Ich glaube, ich könnte tatsächlich eine 1 bekommen :oeh:
Ich habe kaum etwas falsch :huepf:


Mai

5. Mai 2014

Ihr Lieben :bussi: :herz:

vielen Dank für die Kommentare!
Schon wieder eine neue Woche. Die Zeit seit Januar ist wieder einfach verschwunden und das freut mich!
Papa hatte Geburtstag, Sara war da. Gab wieder Dramen.
Der Knackpunkt ist, dass Sara unheimlich wichtig ist und es mir so wichtig ist, dass sie gut von mir denkt und ich nichts falsch mache.
Was logischerweise dazu führt, dass ich sonst nie so derartig ungeschickt, impulsiv und trampelig bin, wie wenn sie da ist. :schreck: :uglylaugh:
Erst habe ich Papa weh getan, der wütend wurde.
Ich hab dann im Bett kurz geheult und mich geschämt.
Sara hatte ne Wärmflasche im Bett und als sie kurz auf der Toilette war dachte ich „Hey, machste einen auf lebende Wärmflasche und hüpfst in ihr Bett“
Sie hat sich leider zu Tode erschrocken, war stinksauer auf mich und ich hab das zweite Mal geheult und übelsten Selbsthass geschoben.
Irgendwie kam mir da auch hoch, wie es in den ganzen Pubertätsjahren war, wo ich im Kontakt immer alles gut machen wollte und es dann mit doppelter Energie nach hinten los ging.
Plötzlich kamen die Suizidgedanken wieder hoch.
Und die Ausweglosigkeit. Beende es jetzt einfach, du nimmst diese Kombination und dann wars das. Du wirst dein ganzes Leben lang der ungeschickte Trampel bleiben und niemand wird es aushalten können, mit dir zusammen zu leben.
Eingeschlafen.

Am Samstag war dann alles wieder gut. Schlafen hilft in akuten Situationen meistens bei mir.
Ich war in der Schule und Verena sollte das Referat in Bio halten. Die Lehrer haben erlaubt, dass sie es auf Tonband aufnimmt und abspielt, weil sie kaum sprechen kann.
Psychisch bedingt.
Das Tonband ist ein riesen Schritt für sie. Alles war gut und am Ende kam dann Doris in die ganze Klasse mit „Ich kann sowas nicht gut heißen, Verena muss das auch machen blabla“
Wie eigentlich JEDER, der so ankommt, hat sie nicht gesagt: Ich finde das ungerecht, sondern „Alle anderen finden das ungerecht“
Das hat mich so wütend gemacht.
„Das sollte man mal im Klassenverband besprechen“, daraufhin ist Verena einfach raus und ich nach.
Später kam dann noch der Lehrer und hat sie beruhigt. Sie ist ja in Therapie und sowas geht halt nicht von heute auf morgen.
Doris meinte, ebenfalls wie üblich, es nur gut zu meinen und bla. Es folgte Sofapsychologie und „Stella, du darfst sie in diesem Verhalten nicht noch bestärken.“
Was ich ja immer hasse ist diese „Ich hab die Weisheit mit Löffeln gefressen“ Haltung.
Ich sagte, dass ich es nicht so sehe, dass ich es als Nachteilsausgleich sehe, dafür, dass sie es schon schwer hat und sie ja dran ist.
Ich sagte, du tust, was du für richtig hälst und ich tue das, was ich für richtig halte.
Sie ließ das auch nicht zu, da habe ich es gelassen.
In Geschichte war dann das absolute Highlight: Die Rückgabe der Klassenarbeiten.
Ich bin zum zweiten Mal Klassenbeste :head:
Das erste Mal mit 11 und diesmal mit 13 Punkten.
Den Rest des Tages bin ich dann nur noch geschwebt ;)
Sara hat mir das daheim nicht mehr lange vorgehalten (anders als früher) und es war ein schönes Wochenende :)


Hass

20. Januar 2014

Ich mache daheim nichts für die Schule, weil ich mich einsam fühle.
Ich will in eine Hausaufgabenbetreuung, alternativ hätte ich gerne eine Mutter/Vater, die ständig da sind.
Aber das Leben ist kein Wunschkonzert.
Also mache ich alles, was möglichst unsinnig, ist um mich schlecht zu fühlen. Und weil ich mich schlecht fühle, esse ich und gestern habe ich nach einem Jahrhundert gekotzt.
Scheiße.
Ich bin die passive „Problemlöserin“, falle (zumindest gedanklich) erst mal in alte Muster, statt mir wirklich zu helfen und das anzuwenden, was ich gelernt habe.
Hass.


Geschützt: Erinnerungen ’07 – ’08 (suizid)

17. Dezember 2013

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KJP

10. Dezember 2013

Im November 06 ist mein Papa ausgezogen und ich war total fertig.
Im Februar des darauf folgenden Jahes wurde ich das erste Mal in der KJP aufgenommen. Die erste Mahlzeit war „gut“, ich hab kaum was gegessen. Aber dann kam mein Papa und sagte, er hätte die überreden können, dass wir so zum Abschied nochmal ins Theater gehen dürften, weil wir die Karten auch schon länger hatten.
Aber ich wollte nicht. Ich war da jetzt angekommen und wollte dann auch nicht an dem Tag weg.
Kurz vor der Tür, wo mein Papa saß hab ich leise zu der Therapeutin (im Weiteren nur noch das Pferd) gesagt, dass ich nicht mit will, aber sie war schon halb drin, und hat das drinnen dann auch nicht gesagt.
Und ich traute mich dann nicht, es meinem Papa zu sagen. Wir sind dann gegangen, die Oper war ein Traum! Hinterher noch essen gehen und ich hab ganz normal gegessen. Daheim hab ich mich dann nochmal geritzt, so nach dem Motto „Das letzte Mal“

Am nächsten Tag, einem Samstag, bin ich dann zurückgekommen. Hab sehr viel gegessen und fand das scheiße. Da kam ein Mädchen zu mir, Jenny und fragte „Willst du meine Freundin sein?“
Ich „Ja“ und wir waren Freunde. ;)
Die war ein halbes Jahr älter als ich, aber sehr kindlich, im Kopf wie eine 4jährige.
Und sie war schwanger.
Am Anfang gab es ziemliche Schwierigkeiten zwischen mir und anderen, ich glaube, ich war die erste Bulimikerin dort und die anderen haben sich darüber lustig gemacht. Unter anderem Damian und Jens. Aber es ging dann mit der Zeit.
Am 2. Abend habe ich mit Jenny geredet, und ich erzählt, dass ich mich am vorigen Abend noch geschnitten hätte, und sie meinte, ich müsste das sagen, die würden das fotografieren.
Ich wollte nicht! Ein Betreuer kam zu mir und wollte mir den Blutdruck messen.
Ich – saublöd – „Aber nicht am rechten Arm!
Er natürlich gleich „Warum?“
Ich hab VERSUCHT es ins lächerliche zu ziehen „Tiger blaa“ – es war erbärmlich und ich habs nicht hingekriegt, mich ironisch anzuhören.
Es ging mir einfach nur dreckig!
Er „Und der hat dann mit seinen Krallen…“
Wie gesagt – Absturz pur, ich hätte ihn umbringen können, oder besser, mich!
Ich stand dann komplett fertig in der Küche. Dann kam die Betreuerin, Anna, zu mir und meinte so, die würden Verletzungen immer fotografieren. Ich war extrem leer, willenlos und mir war es dann auch egal. Aber ich hab nicht hingeguckt.

Ich hab dann im Anschluss an die Prozedur gefressen, und war extrem geladen! Hab Internet Freunden SMS geschrieben – obwohl man das Handy eigentlich gar nicht behalten durfte – und die haben mich ein wenig aufgebaut.
Ich dachte dann auch „Toll, jetzt bist du also in ner Klapse. Super Abstieg, Stella“ Ich hab dann meiner Bezugsperson, der Catrin, erzählt, dass ich mein Leben eh schon verkackt hab und es eigentlich doch sinnvoller wäre, wenn ich mich umbringen würde.
Und auch, dass ich ja den Föhn ins Wasser schmeißen könnte.
Sie meinte „Dann bist du suizidal“
Sie wollte, dass ich im Isolierzimmer schlafe, aber ich meinte so „Nee, ich hab ja eh nichts, womit ich was machen kann. Eigentlich war ich mit einem Mädchen im Zimmer – Juliane, aber die war daheim, und ich hab mich entsetzlich allein gefühlt, auch, weil die anderen mich so geärgert haben…
Anna meinte dann, das wäre eh „erbärmlich“, weil die ja auch nicht ohne Grund da sind!
Ich war mal in einem Forum, da war Karto.
In der KJP Zeit war sie 14 und sie wollte mir ein Armband schicken, was sie zufällig gefunden hat und sofort an mich gedacht hat.
Es bestand aus kleinen, bunten Marienkäfern, so wie mein Forum damals.
Ich hab ihr dann einen Brief geschrieben, wie mies es mir geht, dass ich das Gefühl habe, von den anderen abgelehnt zu werden…..
Detailiertes weiß ich nicht mehr.
Und hab ihr 10 Euro mit in den Umschlag getan, für das Armband. Ich wollte den Brief dann wegbringen und war ein paar Minuten weg – Brief weg!
ALLE haben gesagt, sie hätten keine Ahnung.
Am Ende hat sich rausgestellt, dass Sandra – eine Mitpatientin, die mich mega fertig gemacht hat – und Jenny den Brief geklaut hätten, GELESEN und das Geld behalten.
Dann haben sie den anderen erzählt, dass ich geschrieben hätte, wie scheiße und dumm die anderen wären!
Diese Vollidioten haben das dann geglaubt und ich war untendurch.
Jenny hat mir die ganze Zeit gesagt, dass sie damit nichts zu tun gehabt hätte und ich hab ihr geglaubt.
Aber dann musste sie mit Sandra reden und die beiden kamen als beste Freunde wieder raus, so lief das…
Ich hab dann mit Ellen, einem anderen Mädchen, geredet und es wurde echt ganz langsam besser.
Mit Juliane hab ich mich eh gut verstanden, aber wegen der Schule war sie nicht oft da.
Eines Tages kam ein Mädchen rein – Maya. Sie hat auf der Station gewartet, weil sie gleich ein Gespräch hatte bei einer Klinikthera. Sie war ambulant da. Irgendwie haben wir uns von 0 auf 100 hammer gut verstanden.
Wir sind dann aufs Zimmer gegangen, und Damian, hat voll genervt, und die ganze Zeit die Tür aufgerissen, da hab ich sie abgeschlossen.
Ein Betreuer hat dann wieder aufgeschlossen und Maya musste gehen.
Doch wir tauschten Adressen aus.

An einem Abend, so in der 2. Woche, wollte ich mir die Beine rasieren, hab einen Rasierer bekommen, Schaum, etc. Ich hatte bisher immer einen Elektrischen, und so hab ich mir unabsichtlich echt das ganze!! Bein aufgeschnitten. Wegen dem Schaum hab ich das nicht gecheckt – erst, als es brannte.
Bin dann raus, hab Bad und Flur vollgesaut, und wollte nach einem Betreuer rufen, aber mir ist kein Name eingefallen, hab dann nach Jenny gerufen.
Ich hab mir Sorgen gemacht, ob die mir glauben, dass es keine Absicht war, aber zu meiner Überraschung wurde mir geglaubt. Am nächsten Tag um 19 Uhr durfte ich mein Handy holen und sah in der Kiste den Rasierer!
Der hat mir ja gar nicht gehört, aber eine Betreuerin, Simone, hat das wohl gedacht.
Ich bin ganz ruhig auf die Couch gegangen und hab überlegt, wie ich da ran komme.
Hab es dann geschafft und mich geschnitten.
Es war… toll.
Den Rasierer hab ich zurück gelegt.
Schlafen.
Am nächsten Morgen ging es mir dreckig deswegen. Ich habe mir Vorwürfe gemacht „Jetzt bist du hier deswegen. Du willst doch damit aufhören!!!“
Anna war da. Ich hab ihr einen Zettel geschrieben, ob ich mal mit ihr reden kann. Sie hat genickt und kam mit mir ins Zimmer.
Ich hab es ihr gesagt.
Sie hat mich umarmt und gesagt, dass sie es traurig fände, wenn ein so hübsches Mädchen sowas machen würde. Ich fand es toll, dass sie mich umarmt, aber war sehr steif, so nach dem Motto „Du verdienst das nicht!!!“
Die war irre lieb zu mir und hat dann noch so mit mir geredet. Anders als beim letzten Mal konnte ich hinschauen – das ist ihr aufgefallen.
Ich meinte, ich würde es schön finden, weil es so gleichmäßig wäre – nicht so ein Chaos.
Anna hat Sommersprossen und hat ihren Ärmel hochgezogen. „Ich habe den häßlichsten Arm der Welt! Wäre der mit Linien schöner?“
Ich weiss nicht mehr, was ich gesagt habe. Sie meinte auch, dass es ihr Leid tun würde, wenn sie etwas tun muss – fotografieren – wenn es dem anderen so dreckig geht, und dass sie das letztes Mal gespürt hätte, wie fertig ich bin.
Vor allem, wenn sie welche mag.
Mein Puls beschleunigte sich gefühlt vor Freude „Anna, magst du mich?“
Sie „Natürlich, hast du das etwa nicht gemerkt? Sehr sogar!“
Ich war total high!!!
An diesem Tag wollte Maya kommen und ich hatte Angst, wegen dem svv nicht rauszudürfen.
Anna meinte dann, wir könnten es entweder dem Pferd einfach nicht sagen, sondern erst am nächsten Morgen (Noch ein Grund mehr, Anna zu lieben) oder wir sagen es ihr, und falls ich einen so schlechten Ausgang bekomme, dass ich nur mit einem Betreuer aufs Gelände darf, würde sie dann halt mitkommen, und so Abstand halten, dass wir ungestört quatschen könnten.
Ich hab mir dann für letzteres entschieden und durfte auch allein raus.
Ich hab Maya unglaublich toll gefunden, total hübsch und alles. Sie hat zu einem sehr hohen Gebäude geschaut und gesagt, dass sie total gerne da runterspringen würde. Ich konnte das total gut nachvollziehen! Ich war eigentlich bis Ende 16 kein Stück suizidal – wenn man von diesem Affektsuizidversuch mit 13 absieht. Aber ich fand die Vorstellung toll, „frei“ zu sein.
Sie hatte dann Therapie (auch beim Pferd, wie sich herausstellte) und hat mir ein Buch dagelassen „Der Scherbensammler“.
Ich hab dann wegen svv ne VA geschrieben, und war echt total bei der Sache – Extreme!
Es tat mir wirklich Leid, dass ich mich geschnitten hatte – weil ich wollte es ja wirklich nicht!!
Das Pferd war ziemlich ungehalten.
Sie meinte, sie würde nur Feuerwehr spielen und das wir gar nicht zu den wichtigen Sachen kämen.
Vielleicht war dies unterbewusst ein Schutz von mir.
Als es dann „zur Sache“ ging, hatte ich manchmal echt ziemliche Abstürze.
Ich kann mich an ein Gespräch erinnern – bzw. an dessen Folgen – den Inhalt weiss ich nicht mehr.
Jedenfalls hab ich dan den ganzen Nachmittag aufm Klo verbracht und einfach nur dagesessen.
Die Betreuer dachten, ich hätte Unterricht, aber hatte ich erst später.
Irgendwann haben sie dann gesucht und ich bin in mein Bett und hab getan, als hätte ich geschlafen.
Eines Tages kam eine neue, Christina.
Wir anderen haben davon erst mal gar nicht viel mitbekommen – sie kam mit Sanitätern auf einer Liege und kam ins Einzelzimmer.
Die war da wegen einem Suizidversuch, hatte lange im Krankenhaus gelegen, und kam dann in die KJP. Als ihr nach einem Tag Blut abgenommen wurde kam raus, dass ihre Werte lebensgefährlich schlecht waren, kurze Zeit später lag sie schon wieder im Koma.
Sie wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Spezialklinik geflogen, weil man annahm, ihre Leber müsse transplantiert werden.
Doch dann war sie wieder da.
Dennoch bekamen wir sie die ersten drei Wochen nicht zu sehen, da man sie in einem Zimmer eingeschlossen hatte.
Uns andere Patienten hat das natürlich neugierig gemacht – ich hatte nur mitbekommen, wie Rettunssanitäter sie auf einer Liege reingebracht haben.
Ein oder zwei Tage später war sie dann plötzlich wieder weg, und dann plötzlich wieder da.
Ich hab das nicht so mitbekommen.
Jenny und ich waren genauso neugierig und haben gesagt, wir gehen in den Garten.
Chrissi war im Erdgeschoss und wir sind zu ihr ans Fenster und haben mit ihr geredet.
Irgendwann durften wir dann auch offiziell zu ihr, ins Zimmer.
Wir haben uns sehr gut verstanden, und als sie dann auch raus durfte, auf die Station und zum Essen, da haben wir uns angefreundet.
Nach 2 Wochen wurde Juliane, das Mädchen mit der ich im Zimmer war, entlassen, und wir konnten unsere Therapeuten überreden, dass sie hoch zu mir ins Zimmer durfte. An einem Abend ging es ihr scheiße!
Ich hab das gar nicht so gecheckt, aber dann mitbekommen, dass sie sich verletzt hat. Unsere Theras haben uns beiden klipp und klar gesagt „Wenn einer von euch scheiße baut, sagt der andere Bescheid!“ Ich weiss nicht mehr, ob sie gedroht haben, wenn der andere nicht Bescheid sagt, würde sie wieder runter ziehen müssen.
Jedenfalls hab ich bescheid gesagt, und sie musste mit runter, zum verbinden.
Ich hab mich total aufgeregt und saß auf meinem Bett und dachte „Beruhige dich! Atme in den Bauch“
Das hab ich dann auch gemacht – es allerdings übertrieben, ich hab dann angefangen zu hyperventlilieren. Ich musste nach draußen und musste durch eine Atemmaske atmen. Besser wurde es nicht. Meine Finger und Füße haben gekribbelt und wurden taub und ich hab dann noch zu weinen, oder jammern angefangen.
Jedenfalls kamen 2 Jungs, die ich total mochte, Benjamin und Onur, aus ihren Zimmern, haben besorgt geschaut und sind dann wieder ins Zimmer.
Ich hab ein Tavor bekommen. Und später nochmal.
Dann wurde es besser und ich müde.
Ich hab bis um 10 Uhr des nächsten Tages geschlafen.
Chrissi musste dann wieder runter und ich glaube, sie hatte wieder geschlossenen, jedenfalls durfte ich nicht zu ihr.
Ich hab ihr dann einen Brief geschrieben, und bin wieder in den Garten und habs ihr übers Fenster gegeben.

mir gehts scheisse, so richtig. Bei der nächsten Gelegenheit bring` ich mich um. Es tut mir so Leid, was gestern war. Ich will wieder zu dir ins Zimmer.Mit dir kann man so gut reden. Aber ich darf nicht mehr reden, sonst werde ich bestraft. *Klinikthera* sagt ich soll mir nicht immer die Schuld geben, dabei tuen sie es. Ich komme wahrscheinlich nach Haus, dann wird alles so sein wie vorher. Ich halt es nicht aus hier, ich will einfach nur sterben. Keinen interessiert es wies mir geht von Betreuern oder so. Ja natürlich hat es mir geholfen, dass du da warst.
Ich kann endgültig nicht mehr mitarbeiten. Sie schieben mich sowieso wieder ab. Mein Leben ist nix wert, dass zeigen sie mir.
Alle Betreuer hassen mich. Ich will einfach nur sterben.
Es tut mir Leid wegen gestern, ich habe solche Schuldgefühle.
Es tut mir Leid!
Danke Stella, aber ich schaff`es nichtmehr!

H.D.L
Chrissi
Du packst das!

Aber es war nicht immer so. Keine Ahnung warum, aber sie hatte eine zeitlang Aggressionen gegen mich.
Ich kann mich an eine Situation erinnern: Mittagessen.
Und wir haben feste Sitzplätze.
Zwar jetzt nicht mit Namen drauf, aber so inoffiziell halt. Als ich neu angekommen bin, hieß es gleich „Da sitzt da und der“ als ich mich irgendwo hinsetzen wollte. Wenn jemand gegangen ist und dafür ein neuer kam, hat der immer den Platz bekommen.
Am Wochenende gab es keine feste Frühstückszeit, halt nur „bis spätestens (keine Ahnung)“ und dann hat man sich halt zusammengesetzt, wer grad da war.
Und an einen Mittagessen hat Chrissi sich auf meinen Platz gesetzt, bzw. ihr Geschirr.
Ich hab das gar nicht so gecheckt und habs einfach um eins weitergeschoben, so dass sie neben mir saß und sie hat sich mega aufgeregt deswegen und ich so „Das ist mein Platz!“
Irgendjemand (weiß nicht, ob ein Betreuer, sie, oder jemand anderes) „Es gibt keine festen Plätze“
Und bei mir hat das so in der Zeit angefangen, dass ich es über alles gehasst habe „Plötzlich“ vor neue Tatsachen gestellt zu werden!
Ich war sauer – sie war sauer – perfekt.
Ich hab dann auch gemeint, sie hätte mich ja fragen können!
Wenn sie gefragt hätte „Darf ich auf deinem Platz sitzen“ hätte ich ja gesagt, weil es mir egal gewesen wäre. Aber dann so plötzlich diese „Tatsache“, ich sitz jetzt hier, hat mich überfordert. Das wird jetzt wohl kaum einer nachvollziehen können – ich kanns ja selber nicht erklären – aber ja.
Und am Anfang, als ich das weitergeschoben hab, hab ich ja echt gar nicht nachgedacht…
Egal, auf jeden Fall haben wir uns entweder sehr gut, oder sehr schlecht verstanden
Mit ihrer Art hat sie mich dann aber auch extrem wütend gemacht.
Ich hab mit den anderen geredet und die fanden das ganz genauso. Wir haben in der Stationskonferenz darüber geredet – ich hab eigentlich alles gesagt, und die nicht-schwangere Jenny hat mir zugestimmt. Eigentlich waren die beiden ein Herz und eine Seele.
Die Musiktherapeutin hat dann mal gesagt, wir (Chrissi, Marlene und ich) sollten sagen, was wir am anderen mögen, und irgendwie ging es dann langsam wieder.

Es gab auch Fitness, mit Geräten und so. Ich saß im Gemeinschaftsraum, als eine reinkam, Jaqueline, um die anderen abzuholen, und ich hab gefragt, ob ich mit darf.
Ich durfte.
Ich stand auf dem Laufband.
In dieser Zeit hatte ich rechts 2 ganz kleine feine weiße Narben, also Welten zu heute.
Sie glotzt drauf.
Rechts – links.
„Bist du Borderliner?“
Ich wusste überhaupt nicht, was das ist, hatte davon nie gehört.
Ich schüttelte den Kopf.
„Bist du Schnippler?“ (Ganz ehrlich, das sollten alle Leute grundsätzlich aus ihrem Vokabular streichen, das ist so ein beschissenes Wort… )
Ich nicke.
Und hatte dieses „HAB MICH LIEB!!!!!!!“
Es macht mich irgendwie wahnsinnig verletzlich…
Dann hab ich sie gehasst
Ja, das geht sehr schnell bei mir. Wenn mir jemand zu Nahe kommt idealisere ich ihn entweder, oder das Gegenteil.
Ich war ziemlich aggressiv, auch voll provokant. Als ich mich nach 2 Wochen geschnitten hab, bin ich extra mit Verband an ihr vorbei gelaufen.
Sie natürlich gleich etwas wie „Was? Schon wieder?? blaa“
Da hab ich sie dann genussvoll aus ganzem Herzen gehasst!
Die durfte mich dann auch nicht anfassen – ich hab mir da mal ein Pedalo geholt
sie „Soll ich dich festhalten?“
Ich „Nnnnnnnnnnneeeeiiiiiin, ich halt mich an der Wand fest“
Also soviel zum Thema idealisieren und entwerten.

Wir hatten da schwimmen, und eine 13 jährige von der Kinderstation, Lena, meinte, wenn ich mich schneiden würde, würde ich ewig dableiben müssen.

So ein anderer Typ – Jens, 14, meinte dann zu mir, dass mich alle anderen hassen würden, und ich hab das natürlich geglaubt. Ich war/ bin einfach mega unsicher!
Ich war mal mit Anna spazieren und sie hat sich ein bisschen über ihn lustig gemacht, das fand ich geil!

Marlene, eine Mitpatientin, wollte mir mal die Haare schneiden, aber sie durfte nicht, WEIL – jetzt kommts! – das unter selbst verletzendes Verhalten ging.
Soviel zum Thema Absurditäten in der Psychiatrie.

Ich hatte aber auch öfter Probleme mit Regeln, etc.
Unüberlegt war ich ja sowieso immer!
Jenny und ich – nachdem Sandra entlassen wurde haben wir uns halbwegs gut verstanden – fanden es witzig, den Betreuern einen Zettel zu schreiben, wo glaub ich etwas in der Art stand wie „Ihr seid scheiße“ (Jaa, ich weiss, rasend reif mit 16 Jahren und überhaupt nicht kindisch)
Die haben dann gemeint, wir dürften einen Tag nicht raus, und ich wollte eigentlich noch in meine Heimatstadt fahren!
Mir tat das dann echt total Leid, und ich war mal wieder genervt von mir selber.
Wie immer hinterher.
Zum Glück haben sie mich dann doch fahren lassen.

Ja, so ging das dann da weiter. Ich war 5 Wochen in der Klinikschule, bis ich darauf bestanden habe, in meine Heimatschule gehen zu dürfen.
In der Schule hat mich keiner irgendwie gefragt.

In der Klinik ging es auf und ab.
Vor allem auf, und zwar mit dem Gewicht!
Ich hab in diesen 3 Monaten 6 Kilo zugenommen, obwohl ich schon übergewichtig war.
Das war denen ziemlich egal, wenn ich gesagt hab, dass es mir deshalb schlecht gehen würde. Ich hatte nach wie vor meine Fressanfälle, nur durfte ich danach halt nicht kotzen gehen.
Wenn ichs trotzdem gemacht hätte, hätte ich ins Isolierzimmer gehen müssen (genannt „Time out Raum“ und eine Verhaltensanalyse schreiben. )
Meine Mum hat später mal zu mir gesagt, sie hat jede Woche bei den Besuchen gesehen, wie stark ich zugenommen hab.
Da gab es dann auch Zeiten, wo diesbezüglich nichts mehr ging!
Eine andere Jenny – nicht die schwangere – meinte mal zu mir, dass ich total viel esse, und schon total dick bin etc. Da gings mir entsprechend auch suboptimal!
Die sind dann in der Gruppe rausgegangen, nur ich und Tatjana, eine magersüchtige, waren noch da.
Als die wieder kamen, hat mich die Betreuerin, Arianne, gefragt, was los ist, aber ich wollt es nicht sagen, weil ich mich so geschämt habe!
Sie hat dann gesagt, ihr wäre aufgefallen, als die Gruppe weg war, bin ich runter gekommen, und als sie wiederkam wäre ich wieder gegangen, da hab ich das dann erzählt.
Sie meinte ziemlich hart, so im Sinne von, Jenny solle die Klappe halten und sich um sich kümmern!

Mit Maya hatte ich weiterhin Kontakt, wir telefonierten häufig und schrieben uns. Sie kam dann in eine Nachbehandlungs Klinik und eines Tages beim Mittagessen stand sie im Raum. Ich hab sie gar nicht erkannt, weil ich mir sehr schlecht Gesichter merken kann. Aber wir hatten die ganze Zeit Blickkontakt und dann wars auch klar.
Sie hat da scheiße gebaut, ich glaube, sie wollte sich einer Mitpatientin das Leben nehmen, aber da diese dann doch nicht wollte hat sie „nur“ einem Betreuer Bescheid gesagt, und kam wieder in die KJP.
Wir sind nur zusammen gehangen – nur eine, Julia hat sich voll an Maya gehängt.
Ich war extrem eifersüchtig – weil ich zu der Zeit wieder in meiner Heimatschule war und erst um 14 Uhr kam. Und diese Julia war dann mit Maya zusammen.
Maya hat mir erzählt, die würde voll über mich lästern, wie scheiße ich sei, und ich war dann verletzt, weil sich Maya mit ihr abgegeben hat.
Ich dachte, ICH hätte Maya in dem Fall verteidigt. Und Maya meinte „nur“, dass sie mich mag.
Jaja, Eifersucht!
Die meinte aber auch, dass ich doch keine Bulimikerin sei, weil ich würde ja nur fressen würde und außerdem wäre ich fett, und Bulimiker wären schlank.
GOTT, hat mich das fertig gemacht. Es ist dann wieder auf svv hinausgelaufen.
In der Zeit, als ich entlassen wurde, haben 2 Therapeutinnen (insgesamt war noch ein Mann da) echt zu jedem von uns gesagt, wir sollten in diese Nachsorge Klinik, wo Maya ja auch war. Da würden Jugendliche mit Betreuern leben und hätten auch Therapie. Weil wir so krank wären, dass die KJP eine Weiterbehandlung für ratsam hält.
Ich danke meiner Mutter bis heute, dass sie gesagt hat, dass ich da auf keinen Fall hinkomme. Ich wäre da hingegangen, wenn sie nichts gesagt hätte.
Chrissi ist da hin.
Nachdem ich entlassen wurde habe ich sie da sehr oft angerufen. Aber es ging ihr nicht gut. Irgendwann hat sie sich den Hals aufgeschnitten, und kam wieder in die KJP. Am Telefon hat sie hat mir erzählt, der Oberarzt hätte sie in der Oberarztvisite angeblafft, von wegen, sie solle sich doch mal richtig umbringen, und dass Patienten wie sie dem Ruf der Klinik schaden!
Ich hatte eine wahnsinns Wut auf diesen Mann, zumal ja beim ersten Suizidversuch von ihr echt nicht mehr viel gefehlt hätte.
Zweifel hatte ich keinen Augenblick – mir waren Horrorgeschichten dieser Art über ihn schon von anderen zu Ohren gekommen.
Christina war echt fertig. Ich hatte das Gefühl, sie bald zu verlieren..
Aber irgendwie hat sie dann doch die Kurve gekriegt. Wir hatten dann, auch als sie wieder daheim war, ziemlich lange übers Internet geschrieben und auch telefoniert.


-.-

19. November 2013

Liebes Tagebuch,

ich glaube, ich hab ne Krise.
Wie jetzt!? Du!? Komisch! Hattest du ja noch nie!? :uglylaugh: :rolleyes:
Ich fühle mich wie ein zwischenmenschliches Monster.
Missgünstig bis zum geht-nicht-mehr, gereizt, klammernd, aggressiv.
Nette Mischung.
Nicht.
Nadja treibt mich noch in den absoluten Wahnsinn, ich helfe ihr in Mathe mit dem was ich kann und das ist ja weiß Gott nicht viel.
Sie sagt immer „Kann ich mir merken“, aber sie kann es nicht.
Dann sag ich: Schreibs auf – Sie „Nee, nicht in meine Unterlagen rein“
Und dann wiederhole ich 100 Mal die gestörten Formeln.
Vor der letzten Mathearbeit hat sie mich auch zur Verzweiflung gebracht und sie hatte die 2 und ich die 3.
Ich bin so unfair und ungeduldig, aber ich kann es nicht ändern.
„Jeder“ ist besser in der Schule als ich (gefühlt) und hat dabei nur 1/3 an Aufwand.
Irina hat so viele Fehlzeiten, dass sie mündlich gar nicht benotet werden kann und ist schriftlich besser als ich.
Ich werte die Leute ab ohne Ende, könnte jedes Mal kotzen, wenn ich die sehe und meine äußere Geduld zerfetzt mich innerlich.
Ich habe permanente Suizidgedanken und plane unfreiwillig, wann ich mich wie intoxikieren könnte, dass ich am Samstag Mathe mitschreiben kann, bzw. wie ich es so aussehen lasse, dass man die Intox eben nicht gleich riecht.
Der dämliche Psychiater hat mir ein „super harmloses Beruhigungsmittel“ verschrieben, allerdings den Aspekt der erhöhten Suizidgefahr nicht erwähnt.
Ich denke dann direkt, es ist ihm egal.
Diese Medis lösen Ohnmacht aus, in der Überdosierung. Erinnert mich an vor 2 Jahre, wo mir Kerstin diese Tabletten gegeben hat, weil ich unbedingt mal ohnmächtig sein wollte.
Geklappt hats nicht, also müsste ich 20-30 nehmen.
verfluchte, verfickte scheiße.

DAS geht gerade in meinem Kopf ab.
Ach ja – und natürlich f(x)=ax²+bx+c :wall: :wall: :wall: :wall: :wall: S