Zukunftsträume

20. Juli 2013

Ich bin ein Familienmensch. Mein Idealbild von mir ist seit meiner Kindheit, Mutter zu werden.
Früher hat mir häufig „eine Familie“ gefehlt, eine Mutter. Das hat sich gelegt, ist in den Hintergrund getreten. Auch durch unheimlich viele liebe, wertvolle Menschen.
Einige für kurze Zeit, andere seit langem. Viele zusätzliche Wahlmütter, Schwestern.

Ich möchte wissen, dass ich wichtig und sinnvoll bin. Viele geben mir das Gefühl, wichtig für sie zu sein, was unheimlich stärkend ist.
Früher dachte ich oft, ich wäre mehr Last/Zumutung, als liebenswert. Wohl auch darum ist es mir wichtig, sagen zu können „Ich tue etwas Gutes“
Ich möchte Menschen helfen können, weil ich Menschen klasse finde und mir ja auch unheimlich viel Gutes getan wurde.
(Auch) darum möchte ich Ärztin werden. Ich habe schon seit Jahren ziemliche Komplexe, weil ich außer meiner Mittleren Reife nichts geschafft habe.
Einige begonnene Ausbildungen, gute schriftliche Zeugnisse, mehr nicht.
Früher habe ich mich eher über das Hungern und Selbstverletzungen definiert, es war mein Halt, mein Lebenswert. Ich dachte „Okay, es ist zwar alles scheiße, aber dann hör ich eben auf zu essen und darf dann sterben, wenn ich dünn bin“
Dünn entsprach BMI 14.
Das mit dem hungern klappte nie so lange, dass ich ins Untergewicht kam, statt dessen waren Gewichtsschwankungen von bis zu 30 kilo die Folge und der Streik meines Körpers und Kreislaufs. Also kam „Ich bin zwar nutzlos, dumm und unbegabt, aber ich halte massive Schmerzen aus. Ich bin stark.“
Jetzt lebe ich für diesen Traum „Irgendwann bin ich Mutter und Ärztin“
Wie viel Kraft mir das gibt, lässt sich wohl schwer beschreiben. So exzessiv, wie es in Pro Ana Foren um Abnehmen ging, man mit Twins hungerte, stundenlang Thinspiration anschaute/Videos erstellte, über Diäten, Sport, (il)legale Medikamente diskutierte, die Refeedregeln herunter beten konnte, so Sinn gebend ist nun dieser Traum für mich.
Ich denke, es ist allemal besser, als früher.

Steps:
– 11 Klasse
– Abijahre 2014-2016
– Studium
– Kinder

Trotzdem lebe ich nicht für die Zukunft, sondern genieße das Leben so sehr, dass ich es nicht beschreiben kann.
Es war wohl der krasse Wechsel zwischen dem letzten Winter und dem Sommer jetzt.
Wäre ich im Winter nicht zu meinem Dad gezogen, wäre ich vielleicht nicht mehr am Leben. Wäre unbeabsichtigt bei irgendeiner der Selbstverletzungen gestorben.
So drastisch empfinde ich das. Der Körper gab mir aufs Deutlichste zu verstehen: Es reicht!
Und das imponierte mir. Mir war es immer schwer gefallen, Nein zu sagen, anderen Grenzen zu setzen – nun tat es mein Körper.
Das war auch ein Teil, der mir den Körper so als Opfer gezeigt hat. Er tut alles für mich, kämpft um sein Überleben, während ich ihn bekämpfe.
Ich sauge Medizinisches auf, bin fasziniert vom Körper. Finde es unglaublich, dass eine Herzdruckmassage so wirksam die Herztätigkeit ersetzen kann.
Dass man über einen Venenzugang die Flüssigkeit geben kann, und man nichts mehr trinken müsste. Nicht-Begeisterten fällt das möglicherweise schwer, nachzuvollziehen.
Mein beruflicher Lebenstraum ist jedenfalls die Medizin.

Bis 2016 gehe ich aufs Abendgymnasium, versuche meine bestmöglichsten Noten zu bekommen. Was mir im Weg steht, sind Versagensängste. Früher habe ich die über die Essstörung und Selbstverletzungen abgebaut, so dass die lähmende Panik, die mich am lernen hindert, unterbrochen wurde.
Jetzt möchte ich das nicht mehr und halte es aus. Auch wenn es lange dauert und ich darum auch schlechte Noten schreiben kann.
Nach 10 Jahren möchte ich es nicht mehr. Ich möchte ein Leben ohne Selbstverletzungen!
Ich möchte all die Energie, die ich in Destruktives gesteckt habe, für mich und andere nutzen.
Im Medizinischen möchte ich alles dürfen, was Ärzte tun, viel wissen und gut verdienen.
Und ich möchte Leben.

Und wie immer gilt: Ein wahrer Freund glaubt an einen und kommt im Notfall mit einem Plan B und einer Flasche Vodka 😉


Highligt der Woche

23. März 2013

Mein Dad wurde operiert und braucht, mit heute, 4 Mal eine Thrombosespritze.
Und nun ratet mal, wer ihm die geben darf :head: :head: :head:
Glücklichster Mensch EVER :D
Heute, Sonntag, Montag und Dienstag.
Einfach genial!

Es ist cool :)
Ich freu mich auf die nächsten drei Male ^^
Mich erinnert meine Begeisterung an die Grundschulzeiten, wo man sich noch drum geprügelt hat, wer die Tafel wischen darf. Und ab der 5. wollte keiner mehr :D
Die PJ’ler hassen nach einiger Zeit die x Blutentnahmen und ich bin schon seit Ewigkeiten mega scharf drauf ^^
Fäden ziehen kann ich leider nicht – in der Zeit bin ich nämlich bei meiner Mum.
Naja, hab das ja eh schon oft genug gemacht :uglylaugh: ;)
Auch unter „guten“ hygienischen Bedingungen.
Ich dachte, wenn ich das schon mach, dann will ich es wenigstens richtig machen „für später“  :)


So lässt sichs leben

2. März 2013

Der Test war gut :)
Ich wusste 19 von 20 Ausdrücken. Mit ´setzen habe ich kaum Probleme. Weil ich das Wort bildlich vor mir sehe und es auch von der Betonung her erraten kann.

In Biologie machen wir Cytologie. Es ist trocken, aber ich mag es trotzdem.
Zellen von Pflanzen und Tieren. Aber ganz viele Sachen sind beim Menschen ja genauso.
Vorhin saß ich da und dachte „In 3 Jahren und 4 Monaten hab ich Abi und in 5 Jahren hock ich dann als offizielle Medizinstudentin in irgendeiner Uni *träum*
Mein Geliebter hat auf youtube jede Menge Videos über Cytologie, die schau ich mir vor der Arbeit auf jeden Fall an!
Der hat die ja fürs Studium gemacht, dann ist das für die Schule sicher mehr als ich brauche *freu*
Das war in der Ausbildung auch so. In Medizin hab ich für die Arbeiten bloß so 20% von dem gebraucht, was ich wusste :)
Morgen kann ich chillen und in 3 Wochen hab ich schon die ersten Schulferien.
Ich bin zufrieden. :)


Probearbeiten

4. Februar 2013

Hallo ihr Lieben :wink:

Das Probearbeiten war klasse!
Ich bin 4 einhalb Stunden mit drei verschiedenen Frauen gelaufen und die waren alle mit mir zufrieden.
Ich war so glücklich, wieder „von der anderen Seite“ in einem Krankenhaus sein zu können. Das hat mich sooo euphorisiert :huepf:
Es war immer was zu tun, die perfekte Balance zwischen Arbeit und Ruhezeiten. Körperlich war es auch okay, dadurch, dass zwei von den dreien nicht so flott gegangen sind, wie ich üblicherweise. Die haben mich das auch relativ schnell allein machen lassen, mit Betten fahren und dann hab ich nach 2 einhalb Stunden sogar direkt Fahrstuhlschlüssel und Handy bekommen.
Ich liebe einfach sooo sehr die Krankenhausatmosphäre!
Wer weiss, vielleicht kann ich in 15 Jahren ja sagen: Ich war schon als Stammgast wegen Tablettenvergiftungen und Selbstverletzungen im Krankenhaus, als Azubi für MFA, als Transporteuse und jetzt bin ich Ärztin. :rot:
Ich schwebe wirklich ziemlich auf Wolke 7  ;) :roflmao: :huepf:
Tja, mal wieder: Verliebt in die Zukunft und das Leben! ;)

Und ich SCHAFFE ein Leben ohne die blöden Symptomatiken.


Innere und äußere Welt

21. November 2012

Ich hatte früher schon Blogs. Thema war immer nur die Psyche. Das wollte ich hier nicht mehr.
Ich bin so viel mehr, als nur eine Betroffene von Diagnosen. Was mich ausmacht ist so viel mehr.
Die meisten Posts handeln von der Ausbildung und das wollte ich so. Es schafft einen anderen Blickwinkel. Also schreibe ich, wie es läuft, was ich erlebe, wie ich lebe.
Dass ich später Ärztin werden will, meine Ideale.
Trotzdem ist die Krankheit ständig präsent.
Das Krankheitserleben.
Ich möchte Mut machen, ein Vorbild sein. Ja, ich habe diese Diagnosen und lasse mich nicht unterkriegen. Diese Zustände von schreiender Not hindern mich dennoch nicht daran, meine Träume zu haben und sie Schritt für Schritt zu realisieren.
Aber nur deshalb nimmt die Intensität bestimmten Erlebens nach wie vor nicht ab. Es gestattet einen anderen Blickwinkel. Nicht „Stellinchen, die traumatisierte Borderlinerin“ sondern „Stellinchen, die angehende MFA mit jeder Menge Träumen“
SO möchte ich gesehen werden!
Und doch gibt es auch die Krankheit und darüber möchte ich auch schreiben.

Radikale Akzeptanz
Ich wache seit einer Woche auf und fühle mich hundsmiserabel schlecht. Es ist wieder so, dass ich das Gefühl habe, etwas schlechtes sei in mir, verdorbenes.
Und zwar direkt in der Brust. Da sitzt das schlechte Gefühl wie ein vergifteter Dorn und strahlt in den ganzen Körper aus.
Es fühlt sich sooo scheiße und schlimm an. Zitat meines Klinik Therapeuten „Die meisten BL Betroffenen erwarten, dass sie sich nach der Therapie nicht mehr so katatrophal fühlen wie davor, aber das stmmt nicht. Sie bringen es nur nicht mehr dysfunktional zum Ausdruck. Sie fühlen sich schlimm, aber anders schlimm“
So realistisch war er immer. Wäre er es nicht gewesen, käme unter Umständen schnell „Die Therapie hat nix gebracht, ich fühl mich immernoch so furchtbar wie davor“
Die Folge – Rückfall.
Dadurch, dass ich „vorgewarnt“ war, kann ich jetzt besser damit umgehen. Ja, man fühlt sich furchtbar, aber es geht vorbei, auch ohne selbstschädigendes Verhalten.
Also dachte ich grad eben: „Versuch Dich dran zu gewöhnen, dass Du Alpträume hast und Dich furchtbar fühlst, wenn Du aufwachst. Dass das Gefühl möglicherweise auch noch eine Zeit lang anhält, bis der Körper die Erinnerung abgeschüttelt hat.“
Das war bisher immer so.
Wichtig ist: Es geht vorbei, die Intensität nimmt IRGENDWANN ab und ich kann es aushalten.
Ich akzeptiere es, lasse die Vorstellung zu, dass es lange dauert und schon nimmt es einen Teil der Bedrohung.

In Smileys ausgedrückt :hilfe: :hilfe: :hilfe: :zitter: :heul: :heul: :kotz:


geknickt

11. Oktober 2012

Ich weiss nicht, heute ist es schwierig, aber nicht verwunderlich.
Habe geträumt, dass ich in einer Wohnung wäre und mit einem Hammer auf meine Arme und Beine gehauen habe.
Mir ging es hinterher viel besser, ich war klarer im Kopf und ruhiger.
Ich habe getastet, dass meine rechte Hand und Unterarm gebrochen waren.
Neben mir wurde ein Mann vom Rettungsdienst abgeholt, der sich beide Arme und Beine zertrümmert hatte. Er konnte nicht mehr laufen und ich konnte es noch, und war erleichtert, dass ich den Ausbruch mit „nur“ der gebrochenen Hand und Unterarm überstanden habe.
Sie mussten den Mann tragen.
Ich bin in das Krankenhaus gegangenn, in dem ich im Winter immer war.
Sogar im Traum hat es mir Kummer gemacht, die Zerrissenheit: Gesund werden wollen und das gute Gefühl nach der Selbstverletzung.
Ich dachte „Mensch Stella, jetzt fängt das ganze wieder an, Du wolltest doch gesund werden“
Im Krankenhaus war sie nicht. Ich wurde geröntgt obwohl eindeutig in der Hand und dem Arm spitze Knochen tastbar waren. Ich dachte „Er tastet gar nicht“
Am Telefon hat er überascht gesagt, dass Hand und Arm tatsächlich gebrochen seien.
Ich dachte, wenn das gerichtet wird, sieht man ausgerechnet den eh schon stark vernarbten Arm.

Das belastet mich grad sehr.
Der Traum weckt leise Wünsche in mir.
Nein, ich habe keine Angst vor einem Rückfall. Es ist eine Art von Melancholie in mir.
Niedergeschlagen.
Geknickt.

In der Praxis läuft es besser finde ich.
Die Frau vom älteren Chef kam diese Woche immer in der Pause und hat mir gesagt, was neben dem Medizinischen noch meine Aufgaben sind:
Kaffee kochen, lüften, heizen der Räume und sie ist sehr penibel!!!
Also richtig richtig penibel.
Meine erste emotionale Reaktion war: Panik.
Ich dachte (wie immer) „Oh mein Gott, das kann ich mir nicht merken blablabla“ Wie immer halt. Ich reagiere grundsätzlich auf Anforderungen mit Panik.
Jetzt ist sie natürlich verflogen, heute hat sie mich gelobt, weil alles so war, wie sie es wollte 🙂
Genauso penibel.
Und ich stehe ja auf sowas.
Es sind klare Anweisungen und ich habe es in der Hand – eine Sache, die ich aktiv beeinflussen kann, wenn es um die Frage geht, ob ich die Probezeit Ende Dezember bestehe oder nicht 🙂

Die Schule ist immernoch schön und ich verstehe mich immernoch gut mit den Anderen.
Gestern war auch schon ein schwierigerer Tag, weil eine Klassenkameradin 2 Mal über Suizid/ Suizidankündigung / Methodendiskusionn gesprochen hat.
Das war mir zu nah.

Sonst habe ich entdeckt:
Was hat Jo Hiller?
Im Studienhospital Münster üben Medizinstudenten, wie man Patientengespräche führt – normalerweise mit Schauspielern. Heute aber spielt Planet-Wissen-Moderator Jo Hiller den Patienten. Bekommen die Studenten heraus, welche Krankheit Jo hat?

http://www.planet-wissen.de/alltag_gesundheit/medizin/beruf_arzt/video_arzt_jo.jsp


Entscheidung FÜR den Neuen Weg

22. August 2012

Eigentlich wollte ich heute nach F fahren, um mich mit Luisa zu treffen. Sie ist 27 Jahre alt und wir lernten uns bei meinem ersten Aufenthalt in der Erwachsenen Psychiatrie kennen.
Damals war sie noch 24. Ich schaute mir ihr Hauptsymptom ab – Tabletten schlucken um zu halluzinieren.
Eine Extrembeziehung entwickelte sich. Wir konnten beide nicht ohne einander, doch wir konnten auch nicht ohne Tabletten.
Sie lebte mehrere Wochen beinahe bei mir auf 16m². Wir gingen zusammen einkaufen, aufs Arbeitsamt.
Und abends intoxikierten wir uns.
Sie vertrug unglaublich große Mengen. Wenn es gar nicht mehr ging, schluckten wir bewusst so viel, um ins Krankenhaus zu kommen.
Jeder kannte uns auf der Inneren Station und auch Rettungssanitäter fuhren uns zum Teil wiederholt. Trotz einer Großstadt.
Luisa wurde früher stabil als ich.
Ich übernachtete im Herbst letzten Jahres bei ihr. Wir sprachen über die Vergangenheit.
„Wir haben soviel zusammen erlebt. So eine intensive Beziehung gibt es wohl bei Gesunden niemals. Und jetzt werden wir gesund und lernen uns nochmal auf andere Weise kennen“ sagte sie.
Früher wollte sie Krankenschwester lernen und Ärztin werden.
Mich interessierte eheer Psychologie.
Wir wollten gemeinsam das Abitur nachholen. Doch beide scheiterten wir an der erforderlichen abgeschlossenen Berufsausbildung. Luisa ist wahnsinnig intelligent.
Doch sie hat es schwerer als ich, beruflich auf die Beine zu kommen.
Nun werde ich wohl ihren Traum verwirklichen.. So spielt das Leben..
Sie sagte das Treffen ab. Den ganzen Morgen geweint und nun hätte sie ihr Freund bis Montag zu sich genommen.
Mir tut es leid für sie.
Was ich daraus ziehe, ist, dass ich viel jünger bin als sie und mir noch alles offen steht.
Noch kann ich das erreichen.
Wenn ich symptomfrei bleibe. Das gibt Kraft und positiven Druck, es zu schaffen.
Entscheidung für den Neuen (gesunden) Weg: 5 (von 5 möglichen)