Die Sache mit dem Überblick

20. Oktober 2012

Seit gestern schreibe ich mir ALLE Namen auf, die da sind. Dann kreuze ich Wartezimmer, Labor, EKG Raum, Arztzimmer 1 und 2 an. Wenn sie gehen, streiche ich sie durch.
Grund: Ich kann den Überblick nicht behalten.
Null.
Wenn ich einen Patienten annehme, und zwei neue kommen, habe ich den ersten wieder vergessen.
Ulli (die Anleiterin) glaubt nicht, dass ich das in den Griff bekommen kann, aber bekannterweise macht Not erfinderisch.
Unsere Pat sind fast alle über 60 – Landarztpraxis halt.
Die sehen alle gleich aus, mit ihren grauen Haaren Ich schreibe noch Merkmale dazu.
Jung, gestreiftes Hemd oder so.
Hab zum Glück viel Phantasie. Wenn wir zum Beispiel eine Frau Meiser haben, stell ich mir den Vogel im Maisfeld vor. Oder ich werde anfangen, zu kategoriersieren.
Jung, Krücken, Brille, sowas.
Blöd darf man sein, man muss sich bloß zu helfen wissen, gell 😉 Ulli ist natürlich nicht überzeugt, aber egal. Sie sagt, sie glaubt, dass mir Vorraussetzungen für den Job fehlen, die man nicht lernen kann. Und sie meint, alle Azubis konnten das bisher schnell überblicken. Ich frag sie mal, wie viele Pat. schätzungsweise seit September durch gelaufen sind. Wenn der Chef abbrechen sollte, bin ich in ner ziemlich miesen Lage – selbst aus dem vorherigen Betrieb gegangen und nun am 2. schewitern.
Nun schaue ich still, leise und heimlich nach anderen Praxen. Es gibt sogar ein paar, die Azubis suchen.

Die Probezeit geht bis Ende Dezember. Ich glaube, sie wollen einen Azubi, der später den Laden auch allein schmeißen kann. Ulli ist schon über 60, von daher könnte ich mir schon vorstellen, dass die auch in diese Richtung denken.
Sie hat gefühlsmäßig 100 Überstunden im Monat…
Das möchte ich nicht. Vielleicht zweifeln die Ärzte deswegen so sehr, ob ich die Lehre da machen kann.