30. Mai

30. Mai 2014

Die Schule läuft weiterhin weitestgehend gut.
Und auch familiär ist alles okay. Ich hatte keinen Selbstverletzungs oder Intoxrückfall und bin noch immer in Therapie.
Alle zwei Wochen.
Wir sprechen über aktuelle Themen, die Schule, Politisches.
Alles geht seinen Gang.
Und auch nicht.
Die innere Mauer, den Stein des Traumas, trage ich weiterhin täglich in mir. Oft ist er nicht spürbbar, oder ich kann ihn während des Aktionismus verdrängen. Spürbar wird er in banal scheinenden Situationen.
Das Lesen von Texten in der Schule, in der Gewalt dargestellt wird. Schreiende Männer, Kinder. Schreiende und verängstigte Charaktere in irgendwelchen Filmen.
Dann kippe ich weg. Werde starr, falle in die Regression. Wenn es gut läuft.
Wenn es schlecht läuft kommen alte Gedanken und Gefühle hoch. Ich verstehe und begreife dann nicht mehr, dass ich 23 Jahre alt bin. Der Kopf weiß es, aber die Innenwelt stimmt nicht mehr und auch die äußere wird verzerrt. Als ich meinen allerbesten Freund Michael besucht habe, konnte ich ihm eine schlimme Situation erzählen.
Mit vielen Stockungen, aber es ging. Weil er mich so fest umarmt hat, dass sogar ich mich noch spüren konnte und mich somit hier hielt. Ich dachte, ich hätte diese Situation überwunden. Am Montag erzählte ich sie der Thera.

Es wieder besonders schlimm. Ich fühlte mich wie konserviert, gefangen in dem früheren Körper. Die ganze Zeit kommentierte die innere Stimme „Ich kann nicht fassen, dass du noch immer in dieser verdammten Welt rumhängst!
Hättest du dir bei deinen Suizidversuchen nicht ein bisschen mehr Mühe geben können?
Mann, jetzt bist du 23, der ganze Scheißdreck hätte doch vor 5 Jahren längst beendet sein sollen.
Was machen wir denn jetzt?“

Ich ging in die Schule mit den ganzen eigentlich vertrauten Sachen und hasste alles.
Alles ödete und nervte mich an, ständig musste ich mich beherrschen nicht einfach irgendwo runterzuspringen, oder mich extrem zu intoxikieren, mit offenem Ende.
Ich schaffte den Bezug hierher kaum. Dachte „Hey, du hattest doch diese wahnsinnig schönen Tage“ aber es blieb nichts und verhallte nach irgendwohin.
Dennoch hat mich diese andere Kopfstimme davon abhalten können, wirklichen Mist zu bauen…
Die Thera sagte, wir bräuchten über diese Themen nicht zu reden.
Aber mir ist mittlerweile klar, dass ich daran nicht vorbei komme.
Ich bin seit 10 Jahren immer wieder in Therapie, ohne das sich innerlich großartig etwas verbessert hat. Am Montag war es mir nicht so bewusst. Ich war komplett verwirrt und habe mich gefragt, wie ich weitermachen soll.
Zum quatschen brauche ich nicht zu einer Therapeutin zu gehen, dazu habe ich andere.
Außerdem ist das ja auf Dauer auch kein Zustand.
Auch sie wusste nicht, was der Weg wäre.
Ich sagte, muss ich daran gehen oder nicht?
Werde ich irgendwann alleine damit leben können?
Wird eine Art von Gewöhnung eintreten?
Auch sie wusste es nicht. Sagte, dass solche Grauen und Schrecken manchmal auch besser irgendwo aufbewahrt würden und man sich an sie gewöhnen könne. Aber dass sie auch nicht wüsste, was für mich gut wäre.
Ich sehe es nun klarer. Ich bin traumatisiert und werde das ohne Hilfe nie im Leben dauerhaft und gut in den Griff bekommen.
Was ich brauche ist wirklich eine Fachfrau/ ein Fachmann, der mir sagt, wie es geht.
Wie man Traumata vernünftig aufarbeitet um eines Tages wirklich Ruhe zu haben und es abhaken zu können.
Ich habe mich im Kopf damit abgefunden, schlimmes erlitten zu haben. Aber der Körper nicht. Er versteht nicht, dass es vorbei ist, und das ist der Knackpunkt.
Die Thera ist Borderline Expertin, aber ich habe kein Borderlineproblem als Kern. Wir haben es versucht, schwierige Themen anzusprechen, aber das kam immer von mir. Ich kippte immer weg und der restliche Tag war im Eimer, manchmal auch mehrere.
An den Inhalt kann ich mich sowieso nicht mehr erinnern. Aber ich weiß, dass es nicht mal die „richtig schlimmen“ Sachen waren.

Ich werde die Thera das nächste Mal wegen Traumabearbeitung ausfragen.
Ich habe einige Dinge, um wieder ins hier und jetzt zu kommen. Aber häufig vergesse ich dann eh wieder, was gesprochen wurde.
Ich weiß nur, die Themen waren „irgendwie gefährlich für meine innere Sicherheit – also weg damit!“

Ich war am Tag danach noch/wieder? so verwirrt, ich hatte Medis in der Tasche und hätte die fast genommen.
Nur 10, aber trotzdem…
Ich wollte unbedingt die Mathearbeit mitschreiben. Also habe ich eine Schlaftablette vor der Schule genommen. Es hat mich nicht umgehauen, ich habe die Wirkung gar nicht gespürt.
Obwohl zum schlafen sonst eine Halbe reicht :kopfkratz:
Nach den ersten Doppelstunden ging es dann wieder, weil ich während einem Film präventiv raus bin und zufällig 2 Mädels in der Abivorbereitung helfen konnte.
Das hat mich geerdet.
Die Mathearbeit war genial.. Ich glaube, ich könnte tatsächlich eine 1 bekommen :oeh:
Ich habe kaum etwas falsch :huepf:

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Mai

5. Mai 2014

Ihr Lieben :bussi: :herz:

vielen Dank für die Kommentare!
Schon wieder eine neue Woche. Die Zeit seit Januar ist wieder einfach verschwunden und das freut mich!
Papa hatte Geburtstag, Sara war da. Gab wieder Dramen.
Der Knackpunkt ist, dass Sara unheimlich wichtig ist und es mir so wichtig ist, dass sie gut von mir denkt und ich nichts falsch mache.
Was logischerweise dazu führt, dass ich sonst nie so derartig ungeschickt, impulsiv und trampelig bin, wie wenn sie da ist. :schreck: :uglylaugh:
Erst habe ich Papa weh getan, der wütend wurde.
Ich hab dann im Bett kurz geheult und mich geschämt.
Sara hatte ne Wärmflasche im Bett und als sie kurz auf der Toilette war dachte ich „Hey, machste einen auf lebende Wärmflasche und hüpfst in ihr Bett“
Sie hat sich leider zu Tode erschrocken, war stinksauer auf mich und ich hab das zweite Mal geheult und übelsten Selbsthass geschoben.
Irgendwie kam mir da auch hoch, wie es in den ganzen Pubertätsjahren war, wo ich im Kontakt immer alles gut machen wollte und es dann mit doppelter Energie nach hinten los ging.
Plötzlich kamen die Suizidgedanken wieder hoch.
Und die Ausweglosigkeit. Beende es jetzt einfach, du nimmst diese Kombination und dann wars das. Du wirst dein ganzes Leben lang der ungeschickte Trampel bleiben und niemand wird es aushalten können, mit dir zusammen zu leben.
Eingeschlafen.

Am Samstag war dann alles wieder gut. Schlafen hilft in akuten Situationen meistens bei mir.
Ich war in der Schule und Verena sollte das Referat in Bio halten. Die Lehrer haben erlaubt, dass sie es auf Tonband aufnimmt und abspielt, weil sie kaum sprechen kann.
Psychisch bedingt.
Das Tonband ist ein riesen Schritt für sie. Alles war gut und am Ende kam dann Doris in die ganze Klasse mit „Ich kann sowas nicht gut heißen, Verena muss das auch machen blabla“
Wie eigentlich JEDER, der so ankommt, hat sie nicht gesagt: Ich finde das ungerecht, sondern „Alle anderen finden das ungerecht“
Das hat mich so wütend gemacht.
„Das sollte man mal im Klassenverband besprechen“, daraufhin ist Verena einfach raus und ich nach.
Später kam dann noch der Lehrer und hat sie beruhigt. Sie ist ja in Therapie und sowas geht halt nicht von heute auf morgen.
Doris meinte, ebenfalls wie üblich, es nur gut zu meinen und bla. Es folgte Sofapsychologie und „Stella, du darfst sie in diesem Verhalten nicht noch bestärken.“
Was ich ja immer hasse ist diese „Ich hab die Weisheit mit Löffeln gefressen“ Haltung.
Ich sagte, dass ich es nicht so sehe, dass ich es als Nachteilsausgleich sehe, dafür, dass sie es schon schwer hat und sie ja dran ist.
Ich sagte, du tust, was du für richtig hälst und ich tue das, was ich für richtig halte.
Sie ließ das auch nicht zu, da habe ich es gelassen.
In Geschichte war dann das absolute Highlight: Die Rückgabe der Klassenarbeiten.
Ich bin zum zweiten Mal Klassenbeste :head:
Das erste Mal mit 11 und diesmal mit 13 Punkten.
Den Rest des Tages bin ich dann nur noch geschwebt ;)
Sara hat mir das daheim nicht mehr lange vorgehalten (anders als früher) und es war ein schönes Wochenende :)